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Chaos Computer Club: Fingerabdruck im Pass erhöht Sicherheit nicht [Update]

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Fingerabdrücke und andere biometrische Merkmale erhöhen die Fälschungssicherheit von Ausweisen nach Darstellung des Chaos Computer Clubs nicht. Sprecher Andy Müller-Maguhn sagte laut dpa, "zum Preis von mehreren Hundert Millionen Euro wird hier mit Steuergeldern dem Bürger eine Sicherheitssimulation verkauft, die auch nicht im Entferntesten eine Erhöhung des Sicherheitsniveaus gegenüber qualifizierten Angreifern oder gar Terroristen bringt".

Der Verein, der sich für Datenschutzbelange einsetzt, forderte einen Verzicht auf biometrische Merkmale in Ausweispapieren. Der CCC demonstriert zudem mit einer Anleitung auf seiner Website, wie einfach sich teilweise biometrische Identifikationssysteme, die etwa mit einem Fingerabdruck arbeiten, überlisten lassen. "Die Einführung eines Identifikationssystems, das eine entwürdigende erkennungsdienstliche Erfassung aller Bürger erfordert, steht in keinem vertretbaren Verhältnis zum erzielbaren Sicherheitsgewinn", sagte Müller-Maguhn.

Mittlerweile wies das Bundesinnenministerium die Darstellung des CCC zurück: "Der Chaos Computer Club soll bei seinen Leisten bleiben und sich mit Hackern beschäftigen und nicht mit dem Thema Sicherheit", sagte Sprecher Dirk Inger gegenüber dpa. Durch den Einsatz biometrischer Merkmale werde das Fälschen von Ausweisen nicht erschwert. Es werde jedoch verhindert, dass eine Person etwa mit dem Pass eines anderen einreist. "Ausweise mit biometrischen Merkmalen werden die innere Sicherheit verbessern."

Die Innenminister der G5-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien hatten Mitte des Monats auf Druck der USA beschlossen, von 2006 an den Fingerabdruck als biometrisches Merkmal für Reisepässe einzuführen. Bundesinnenminister Otto Schily hatte zuletzt bei der Jubiläumsveranstaltung für die Bundesdruckerei die Biometrie als wichtigsten Baustein im Gesamtkonzept der Terrorismusbekämpfung bezeichnet. Sie sei geeignet, potenzielle Attentäter zu identifizieren. Im Herbst 2005 rechnet Schily bereits mit ersten Reisepässen mit biometrischen Merkmalen in Deutschland.

Seit dem 30. September müssen Deutsche und Staatsbürger aus 26 weiteren so genannten Visa-Waiver-Ländern, die also ohne Visum in die USA einreisen können, bei der Einreise in die USA ihre Fingerabdrücke registrieren lassen, die dauerhaft in Datenbanken verbleiben. Ab dem 26. Oktober müssen Reisende aus EU-Ländern zudem einen maschinenlesbaren Pass vorzeigen, um ohne Visum in die USA einreisen zu können. Ab dem 26. Oktober des kommenden Jahres müssen dann die Pässe zudem weitere biometrische Informationen enthalten.

Siehe dazu auch: (tol)