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Chaos nach IT-Umstellung: Millionen britische Bankkunden aus Onlinebanking ausgesperrt

Eine katastrophal schiefgelaufene Migration von Kontodaten in ein neues Datenbanksystem hat Millionen britische Bankkunden aus ihrem Onlinebanking ausgesperrt. Seit Tagen kommen sie nicht an ihr Geld.

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IT-Umstellung sperrt Millionen britische Bankkunden aus Onlinebanking aus

(Bild: SFIO CRACHO / Shutterstock.com)

Seit inzwischen einer Woche kämpft die britische Bank TSB mit den verheerenden Folgen einer völlig schiefgelaufenen IT-Umstellung. Wie der Guardian berichtet, konnte am Freitag immer noch die Hälfte der Kunden nicht online auf ihr Konto zugreifen. Wer sich einloggen kann, hat demnach aber auch Probleme und bekommt Buchungen eventuell nicht zu sehen oder gar einen falschen Kontostand angezeigt. Ein Kunde konnte andere Konten einsehen und hätte sogar überweisen können, erzählte er der BBC. Unternehmenskunden hatten geklagt, dass sie Löhne nicht überweisen konnten. Teilweise seien darüber hinaus am Freitag noch die internen Systeme in Filialen zusammengebrochen. Dabei dauerte das Chaos da schon seit dem vergangenen Wochenende an. Inzwischen listet die Bank die Probleme direkt auf ihrer Internetseite auf, eine Behebung der Probleme ist nicht in Sicht.

Katastrophaler Datenbankumzug

Verantwortlich ist demnach die Migration der Kundendaten in ein neues Datenbanksystem, dank dem die Bank jährlich 100 Millionen Pfund sparen wollte. TSB gehört seit 2015 zur spanischen Bank Sabadell, auf deren Plattform die Kundendaten vergangene Woche verschoben werden sollten. Dort hat man danach noch mit Champagner auf den erfolgreichem Umzug angestoßen, wie der Guardian herausgefunden hat. Dann kamen aber die ersten Beschwerden von Nutzern, die sich nicht mehr zum Onlinebanking einloggen konnten. Dabei habe es schon vorher Warnzeichen gegeben. Bislang habe Sabadell nur Erfahrung mit der Integrierung lokaler spanischer Banken, nicht aber solch großer wie der TSB, berichtet die britische Zeitung unter Berufung auf einen Insider.

Wie die Zeitung weiterhin zusammengetragen hat, berichteten Bankkunden dann von SMS-Warnungen, die auf eine vermeintliche Nutzung ihrer Bezahlkarten im Ausland hinwiesen. Andere fanden Tausende Pfund auf ihren Konten, Schuldenstände waren verdoppelt, verschwunden oder wurden in der falschen Währung angezeigt. Bei einem Kunden waren angeblich Abozahlungen für das Jahr 2099 abgebucht worden, andere konnten im Urlaub ihre Rechnungen nicht bezahlen. Am Mittwoch hatte TSB-Chef Paul Pester erklärt, das System laufe nun wieder. Wenig später musste er jedoch eingestehen, dass es nur die Hälfte seiner Kapazität erreichte. Später erklärte er, seine Bank sei "auf den Knien". Bis kommende Woche sollen die Probleme nun behoben werden. (mho)

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