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Technology Review

Charmeoffensive für Drohnen

Beim Stichwort "Drohne" denken viele noch immer an ferngesteuerte Killer-Maschinen. Drohnen-Entwickler und Hersteller wollen dagegen zeigen, dass in den kleinen Maschinen das Potenzial für große Veränderungen des Alltags steckt.

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Dass Drohnen weitaus mehr können, als günstige Luftbilder zu schießen, und welche konkreten Anwendungen sich jetzt bereits abzeichnen, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

"Mit Drohnen kann man den Menschen und der Umwelt helfen – sie können wundervolle, positive Sachen machen", ist Adam Klaptocz überzeugt. Deshalb hat er sich im März 2013 mit einigen Kollegen und Gleichgesinnten in Lausanne zusammengetan und den Verein "Drone Adventures" gegründet. "Damals, als ich in meiner Master- und dann Doktorarbeit an Drohnen gearbeitet habe, kannte man Drohnen nur im militärischen Kontext", erzählt er. "Jeder hatte Angst vor Drohnen."

Um das Image der kleinen Flugmaschinen aufzupolieren hat der Verein, dessen bislang spektakulärste Aktion die Vermessung des Matterhorns mit Drohnen war, zum Beispiel Einsätze in Haiti und in Peru organisiert. Dort erstellte er Karten und 3D-Modelle ganzer Regionen. "Teilweise wissen die Menschen überhaupt nicht, wie ihre Stadt aussieht, weil das Einzige, was ihnen zur Verfügung steht, mehrere Jahre alte Satellitenbilder sind", erzählt Klaptocz. "Dann zeigst du ihnen eine aktuelle Karte, und sie beginnen, darauf herumzuzeichnen, Pläne zu schmieden." Man könne förmlich zuschauen, wie die Gemeinschaft sich organisiere. Mit der Abbildung eines wuchernden Slumviertels in Lima etwa unterstützte der Verein ein Projekt des University College London. Seine Initiatoren wollen durch "partizipative Kartografie" eine gerechtere Stadtentwicklung vorantreiben und den Dialog zwischen den bitterarmen Einwohnern und den städtischen Entscheidungsträgern verbessern.

Auch Guido de Croon vom "Micro Air Vehicle Lab" der TU Delft setzt bei der Begegnung mit der Maschine auf die menschliche Psychologie. Sein "DelFly Explorer" weckt eher Beschützerinstinkte als Respekt und Schrecken. Mit seinen zerbrechlich wirkenden, durchsichtigen flatternden Flügeln ähnelt es eher einem zu groß geratenen, tapsigen Insekt als einem Hubschrauber. Dass der DelFly Explorer sich per Flügelschlag fortbewegt – also ein sogenannter Ornithopter ist –, bringt zwar viele Herausforderungen mit sich. Die Technik besitzt aber auch besondere Vorteile, wie der Ingenieur erklärt: "Der Flug wirkt einfach viel natürlicher. Gerade im Innenbereich werden Menschen so ein Fluggerät viel eher akzeptieren als einen Kopter, zumal es auch objektiv sicherer ist: Die Schlagbewegung der Flügel kann viel langsamer sein als das Drehen eines Rotors."

Dementsprechend peilt de Croon Anwendungen nah am Menschen an: Er hofft, dass seine Flatter-UAVs eines Tages den Reifegrad von Früchten im Gewächshaus überwachen und als Elfen Kinder in Vergnügungsparks bezaubern. "Oft wird im Hinblick auf Drohneneinsätze von den 'drei Ds' geredet: dull, dirty, dangerous", sagt de Croon. "Wir denken über drei Fs nach: friendly, functional, fun."

(wst)