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Chef der EU-Cybercops zieht Erfolgsbilanz

Seine Behörde sei nach der Gründung durchgestartet, berichtete der Chef des European Cyber Crime Center am Montag in Brüssel. Bei der Frage nach dem millionfachen Identitätsklau, den das BSI bekannt gemacht hatte, musste er aber passen.

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Europas Cybercops sind nicht für die Untersuchung von politisch motivierten Hacks oder Spionagetätigkeiten gegen EU Institutionen zuständig. Das sagte der Chef des EU Cyber Crime Center (EC3), Troels Örting, am Montag in Brüssel. Das Mandat seiner Behörde und Europols insgesamt sei auf die Bekämpfung organisierter Verbrechen im Cyberspace beschränkt, meint Örting. "Wir sind da von der Rechtsgrundlage außen vor." Örting zog dennoch eine positive Bilanz nach einem Jahr EC3. Das EC3 sei nach der Gründung "durchgestartet" und habe eine Vielzahl von Ermittlungen unterstützt.

Örting verwies unter anderem auf erfolgreiche Ermittlungen zu virtuellen Schutzgelderpressungen durch falsche Polizeidienststellen im Stil des BKA-Trojaners. Insgesamt habe man bei abgeschlossenen Fällen 13 Festnahmen erwirken können. Zudem sei man beim Abschalten mehrerer internationaler Botnetze und bei der Aufdeckung von Malware-Attacken gegen Banken beteiligt gewesen. Unter anderem habe das EC3, gemeinsam mit Microsoft und High-Tech-Crime-Exerten des BKA und anderer europäischer Dienststellen das ZeroAccess Botnetz ausgehoben.

Die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen wie Microsoft soll laut Örting in Zukunft noch verstärkt werden. Mit 20 Firmen habe man bereits ein Memorandum of Understanding. Im Mai sollen Banken und Finanzinstitutionen in einem neuen Forum gegen Cybercrime zusammengebracht werden, kündigte er an. Weitere Schwerpunkte waren, wie auch im vollständigen Bericht verzeichnet ist, der Kampf gegen Kinderpornographie mit derzeit insgesamt neun internationalen Ermittlungen und große Betrugsfälle, unter anderem im Bereich Flugtickets. Die Schadenssummen im Bereich Kreditkartenklau klettern leicht in Millionenhöhe.

Besonders trickreich hätten sich auch Kokain-Schmuggler gezeigt, die das System des Antwerpener Hafens gehackt hätten und ihre Container dabei als bereits vom Zoll abgefertigt deklariert hätten. Trotz der berichteten guten Zusammenarbeit mit allen EU-Mitgliedsländern und Interpol, musste Örtig passen bei der Frage, ob der kürzlich vom BSI bekannt gemachte Konten- und Passwortklau tatsächlich allein auf Deutschland beschränkt geblieben sei.

Erstaunlich bleibt, dass der Schutz der EU-Institutionen offenbar nicht im Fokus von EC3 steht. Mehrfach hatten Abgeordnete des Parlaments im Innenausschuss kritisiert, dass es keinerlei Ermittlungsaufträge für Europol wegen der Ausspähung von EU-Bürgern, aber auch EU-Institutionen gegeben habe. (Monika Ermert) / (axk)

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