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Chemical Love: Mehrjährige Haft für Online-Drogenhändler

Für einen Versandservice der besonderen Art haben drei Männer hohe Strafen bekommen. Sie verkauften Drogen über das Internet. Einer von ihnen soll außerdem zehn Millionen Euro Erlöse an den Staat zahlen.

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Chemical Love: Mehrjährige Haft für Online-Drogenhändler

Ausschnitt aus einem Werbevideo von Chemical Love.

(Bild: Screenshot)

Sie sollen in großem Stil Amphetamin und andere Drogen über das Internet vertrieben haben, nun sind drei Männer vom Landgericht Landau zu mehrjähriger Haft verurteilt worden. Der 30 Jahre alte Hauptangeklagte erhielt am Freitag unter Einbeziehung einer früheren Verurteilung zwei Freiheitsstrafen, die sich insgesamt auf 14 Jahre und 10 Monate belaufen.

Der Sohn eines früheren Stuttgarter Bundesliga-Fußballers soll zudem zehn Millionen Euro an die Staatskasse zahlen – den mutmaßlichen Verkaufserlös der Drogen in der Internetwährung Bitcoins zuzüglich der zwischenzeitlichen Wertsteigerung. Zwei mitangeklagte Brüder im Alter von 31 und 32 Jahren wurden jeweils zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Das Gericht ordnete zudem an, dass alle drei von einem gewissen Zeitpunkt der Haft an in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Das Urteil entsprach weitgehend der Forderung von Staatsanwalt Alexander Fassel.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Hauptangeklagte und der 31-jährige Komplize in mehreren Fällen Dutzende Kilo Amphetamin aus den Niederlanden nach Deutschland schmuggelten. Von einem gewissen Zeitpunkt an wurden die Drogen bei dem 32-jährigen Mittäter im südpfälzischen Rülzheim "gebunkert".

Das Angebot bei Chemical love.

(Bild: Screenshot)

Verkauft wurden sie laut Staatsanwaltschaft seit 2015 in unter dem Label "Chemical Love“, mit Vertriebskanal über ein Untergrundforum und sowie einem über das Tor-Netzwerk und das offenen Internet erreichbaren Webshop. Der Shop präsentierte sich in professioneller Anmutung und warb sogar mit einem eigenen Image-Film seine Dienste. Nach Einschätzung von Staatsanwalt Fassel war es einer der bundesweit größten Drogen-Webshops. Per Postversand sollen mehr als 1500 Verkäufe für insgesamt mindestens 1,3 Millionen Euro abgewickelt worden sein – bezahlt ausschließlich mit der Kryptowährung Bitcoin.

Während das Gericht die Geständnisse der beiden Brüder würdigte, bezeichnete der Vorsitzende Richter Urban Ruppert den Hauptangeklagten als "unser Sorgenkind“. Der Mann, bei dem ein Gutachter Wohlstandsverwahrlosung festgestellt habe, sei der Drahtzieher des Handels, auch wenn er das nicht zugebe. Er habe einen Hang zu Drogen, aber das Gericht bezweifle, dass ihn dies zur Tat getrieben habe. Es gehe eher davon aus, dass der Mann sich wegen seiner Persönlichkeit irgendwann für das Kriminelle entschieden habe. Die Verteidiger wollen später entscheiden, ob sie Rechtsmittel einlegen.

Auch gegen den Vater des Hauptangeklagten, einen ehemaligen Fussballspieler, wird im Zusammenhang mit dem Drogenhandel ermittelt. Das Verfahren wurde aber abgetrennt. Zudem hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs des Anlagebetrugs Ermittlungen gegen den Ex-Bundesligaprofi aufgenommen.

Auf die Spur von Chemical Love waren die Ermittler im Zuge einer internationalen Initiative zur Bekämpfung illegaler Handelsplätze im Internet gestoßen. Nach Verhaftungen und Zerschlagung des Shops Mitte vergangenen Jahres gab es dann mehrere Monate später auch noch Razzien gegen zahlreiche Großabnehmer von Chemical Love. (Mit Material der dpa) / (axk)

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