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Chemie-Nobelpreis 2016 geht an drei Molekularforscher

Jean-Pierre Sauvage, James Fraser Stoddart und Bernard Feringa bekommen den diesjährigen Chemie-Nobelpreis für die Entwicklung von molekularen Maschinen.

Chemie-Nobelpreis 2016 geht an drei Molekularforscher

"Molekularer Fahrstuhl"

(Bild: Johan Jarnestad / Royal Swedish Academy of Sciences)

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Franzosen Jean-Pierre Sauvage, den gebürtigen Briten James Fraser Stoddart und den Niederländer Bernard Feringa für die Entwicklung von molekularen Maschinen. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit.

"Die diesjährigen Preisträger haben extrem kleine Maschinen gebaut und sind in eine neue Dimension der Chemie vorgedrungen", hieß es von den Juroren. "Sie haben Moleküle entwickelt, deren Bewegungen sich kontrollieren lassen und die eine Aufgabe erfüllen, wenn sie die dafür nötige Energie bekommen."

Bereits 1986 schwärmte der US-Ingenieur Eric Drexler in seiner bis heute umstrittenen Vision "Engines of Creation" von autonomen Nanorobotern, die schon bald nicht nur beliebige Materialien herstellen, sondern auch Menschen heilen können. Doch die Realisierung dieser Vision war weit mühsamer als Drexler geglaubt hatte. Sie steht noch immer am Anfang, denn in der Nano-Welt gibt es keine strikte Trennung zwischen Mechanik, Chemie und Quantenmechanik.

Moleküle haften an Oberflächen und ändern ihre quantenmechanischen Zustände, wenn sie bewegt oder gar deformiert werden. Die ersten molekularen Motoren der Feringa-Gruppe wurden daher von der Fachwelt begeistert aufgenommen – der Stand der Technik wird 2017 beim ersten Nanocar Race in Toulouse bewundert werden können. In der Öffentlichkeit dominierte jedoch spätestens seit den 2000er Jahren die Angst vor den Risiken der Nanotechnik die Diskussion.

Feringa hat die Nachricht von der Auszeichnung überwältigt. "Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und war ein bisschen geschockt, weil das so eine große Überraschung war", sagte Feringa, der nach der Verkündung in Stockholm per Telefon zugeschaltet war. "Meine zweite Reaktion war, dass ich mich so geehrt fühle, und dass es mich berührt." Eine Stunde zuvor hatte die Jury den Niederländer über den Nobelpreis informiert.

Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist mit umgerechnet rund 830.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Seit 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis an 171 verschiedene Forscher mit dem Durchschnittsalter von 58 Jahren (35 bis 85 Jahre) vergeben. Einer von ihnen, der Brite Frederick Sanger, erhielt ihn sogar zweimal. Unter den Preisträgern waren bislang vier Frauen, etwa Marie Curie 1911, die die radioaktiven Elemente Polonium und Radium entdeckt und ihre Eigenschaften untersucht hatte.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Im vergangenem Jahr erhielten Tomas Lindahl (Schweden), Paul Modrich (USA) und Aziz Sancar (USA/Türkei) diese Auszeichnung für Arbeiten zur Erbgut-Reparatur. Sie haben nach Angaben der Akademie damit fundamentale Erkenntnisse etwa für die Suche nach Krebsmedikamenten geliefert.

2016 bereits bekannt gegebene Nobelpreise:

mit Material der dpa wst
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