Menü
Technology Review

China: Erste Hunde mit editiertem Genom

Chinesische Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben erstmals mithilfe der Gen-Editiermethode CRISPR-Cas9 die Gene von Hunden verändert.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 119 Beiträge

Eine natürlich vorkommende DNA-Mutation bei kleinen Rennhunden führt zu mehr Muskelmasse (links). Chinesische Forscher sagen, sie können durch die Gen-Editiermethode CRISPR-Cas9 die gleiche Veränderung auch bei anderen Hunden erzeugen.

(Bild: Guangzhou Institutes of Biomedicine and Health, Diane Shelton, and Neuromuscular Disorders)

Eine neue Stufe der Genetik hat ein Forscher-Team aus China erreicht: Erstmals sollen Gene von Hunden editiert worden sein. Die Beagles sollen nun über eine deutlich höherer Muskelmasse verfügen. Die Hunde "dürften dadurch besser laufen können, was hilfreich für die Jagd und polizeiliche oder militärische Einsätze ist", sagte Liangxue Lai, Forscher am Key Laboratory of Regenerative Medicine an den Guangzhou Institutes of Biomedicine and Health, auf Nachfrage. Darüber berichtet Technology Review in der aktuellen Ausgabe (im Handel zu kaufen oder online bestellbar).

Lai und 28 Kollegen, die über ihre Arbeit in der Fachzeitschrift Journal of Molecular and Cell Biology berichteten, wollen mittels Genchirurgie auch Hunde mit anderen DNA-Modifikationen zu Forschungszwecken schaffen – darunter solche, die menschliche Krankheiten wie Parkinson und Muskeldystrophie ausbilden. Das Gene Editing ist eine vor einigen Jahren neu entwickelte Technik, mit der Wissenschaftler relativ leicht Gene deaktivieren oder modifizieren können. Die bei den Beagles eingesetzte Methode, CRISPR-Cas9, ist äußerst preisgünstig und präzise.

Dass das Editieren von Genen mittlerweile so einfach ist, weckt die Sorge, Menschen könnten als Nächstes an der Reihe sein. So hat dem Londoner Guardian zufolge jüngst die britische Wissenschaftlerin Kathy Niakan die Genehmigung beantragt, mithilfe von Gen-Chirurgie an Stammzellen zu forschen. Ihr Ziel ist es, die Ursachen von Fehlgeburten zu untersuchen. Tatsächlich meldete bereits im April ein weiteres Team aus China, menschliche Embryos modifiziert zu haben, um einen Gendefekt zu korrigieren, der Thalassämien auslöst.

Die chinesischen Hundeforscher gingen jetzt ähnlich vor, um bei den Beagles beide Exemplare des Myostatin-Gens zu zerstören, das normalerweise für die Hemmung des Muskelwachstums sorgt. In seltenen Fällen werden auch Menschen ohne funktionierendes Myostatin-Gen geboren. Weil dieses Gen in der Vergangenheit bereits intensiv untersucht wurde und mehr Muskeln keine offensichtlichen Nachteile bedeuten, gilt es zudem als Kandidat für mögliches Gen-Doping: Mit CRISPR wird die Evolution nicht mehr dem Zufall überlassen, sondern gezielt vom Menschen gesteuert.

Korrektur, 26.11.2015, 15.00 Uhr: In einer vorherigen Version der Bildunterschrift hatten wir die Hunde fälschlicherweise als die Gen-veränderten Beagles bezeichnet. Es handelt sich jedoch um eine Rennhundrasse, der linke hat eine natürlich vorkommende DNA-Mutation. Wir haben die Bildunterschrift entsprechend korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen. (jle)

  • Weitere Artikel aus der Rubrik TR Mondo lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Technology Review (im Handel erhältlich oder online bestellbar).

(jle)