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China, Indien, Brasilien: Nein zu Microsofts OpenXML

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Microsoft stößt auf immer stärkeren Widerstand bei seinen Bemühungen, sein Dokumentenformat OpenXML (OOXML) ebenso wie das konkurrierende offene Dokumentenformat OpenDocument (ODF) bei der ISO als offiziellen Standard anzuerkennen. Zwar hat das DIN hierzulande in einem umstrittenen Abstimmungsprozess für die ISO-Standardisierung von OOXML gestimmt, China, Indien und Brasilien haben sich aber mittlerweile offiziell in die Reihe der OOXML-Gegner eingereiht.

Das Komitee, das in Indien das Abstimmungsverhalten des Landes bei der ISO über OOXML festlegt, hatte vergangene Woche entschieden, dass Indien sich gegen einen ISO-OOXML-Standard aussprechen wird. In dem 21 Mitglieder umfassenden Komitee hatten sich lediglich Infosys und CSI für OOXML ausgesprochen; die Ablehnung werde mit Kommentaren an die ISO übermittelt. Microsoft kommentierte den Beschluss, dass sich das indische "Nein" in ein "Ja" verwandeln könne, wenn der Konzern alle angesprochenen Probleme mit OOXML vor der ISO-Abstimmung lösen könne. Indische ODF-Unterstützer meinten laut der Economic Times, wenn alle der 200 kritisierten technischen Mängel mit OOXML behoben würden, dann hätten sie auch kein Problem mit OOXML.

Ähnlich wie Indien hat sich Brasilien gegen die Standardisierung von OOXML ausgesprochen: Die Technical Standards Organization (ABNT) des Landes habe sich nach einem sehr schwierigen Meeting gegen OOXML entschieden, berichtete das ABNT-Mitglied Avi Alkalay, bei IBM Brasilien als Berater für offene Standards, Open Source und Linux tätig. Auch die brasilianische Organisation wird ihr Votum mit technischen Kommentaren an die ISO übermitteln. Und in China hatte es bereits eine starke Opposition unter IT-Experten gegen einen OOXML-Standard gegeben, nun soll auch China ein "Nein" mit zusätzlichen technischen Kommentaren zur OOXML-Standardisierung an die ISO übermitteln.

Das Open-Source-Format ODF wurde im Dezember vergangenen Jahres als ISO-Standard veröffentlicht. Spätestens seitdem, vorher aber schon beispielsweise nach Verabschiedung von Behördenrichtlinien zur Verwendung von interoperablen und für die Langzeitarchivierung geeigneten Formaten wie im US-Bundesstaat Massachusetts, geriet Microsoft unter Druck, das eigene Format als Standard zu präsentieren und somit als für die öffentliche Hand geeignet zu positionieren. Als ECMA-Standard wurde Open XML ebenfalls im Dezember 2006 anerkannt, die Anerkennung als ISO-Standard würde Microsofts Format ODF endgültig ebenbürtig machen. Gegen diese Standardisierung gibt es aber heftigen Widerspruch. Zuletzt warnte etwa der Präsident der New Zealand Open Source Society (NZOSS): "Falls OpenXML als ISO-Standard anerkannt wird, werden die IT-Industrie, Behörden und Unternehmen mit einer 6000 Seiten umfassenden Spezifikation konfrontiert, die gewürzt ist mit potenziellen patentrechtlichen Problemen."

Der deutsche Linux-Verband meinte immerhin, zwar zweifle er am Sinn des Microsoft-Formats, gegenüber den früheren Binärformaten stelle es aber einen Fortschritt dar, da es analysierbar und besser integrierbar sei. Als "gelebter Standard" ergebe es aber keinen Sinn, da es lediglich von einem Unternehmen kontrolliert werde, meinte Elmar Geese, erster Vorsitzender des Linux-Verbands. Der Microsoft-Standard sei mit 6000 Seiten Umfang für Konkurrenten nicht vollständig implementierbar, es sei auch nicht davon auszugehen, dass ein einziges Microsoft-Produkt das tue, meint der Verband.

Siehe dazu auch:

(jk)