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China: Roboter überprüfen Gesundheit bei Kindern

Gesundheitschecks bei Kindern per Roboter sind in China im Kommen. Das Modell von Walklake ist bereits in mehr als 2000 Kindergärten und Vorschulen im Einsatz.

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Der kleine Roboter überprüft jeden Morgen die Gesundheit von Kindergartenkindern.

(Bild: Walklake)

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Die chinesische Regierung fordert seit 2016 einen täglichen Gesundheitscheck bei Kindern in Kindergärten, um die Ausbreitung von Krankheiten frühzeitig zu erkennen. In den meisten Einrichtungen nehmen ihn immer noch Krankenschwestern vor. Doch in mehr als 2000 chinesischen Kindergärten und Vorschulen kommt inzwischen ein Roboter namens Walklake zum Einsatz, das berichtet das Magazin Technology Review in seiner neuesten Ausgabe.

TR 8/2019

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Bei dem Morgenritual beugen sich die Kinder kurz herunter, um auf Augenhöhe mit dem Roboterkopf zu sein. Sie legen ihre Hände in sein Bauchfach und öffnen den Mund. Innerhalb von drei Sekunden prüft der Roboter mit einer Infrarotkamera sowie mehreren normalen Digicams Augen, Rachen und Hände auf Symptome wie Fieber, Rötungen und Pusteln auf der Haut. Der chinesische Roboter-Hersteller versichert, so Hinweise auf mehr als 20 Erkrankungen wie Bindehautentzündung, Hand-Fuß-Mund-Krankheit, Grippe und Rachenentzündungen zu finden. Entdeckt er auffällige Symptome, hebt er sie in den Kamerabildern auf seinem Seiten-Display hervor und nennt die Diagnose. Eine Krankenschwester oder ein Lehrer entscheidet dann, ob das Kind zu einem Arzt oder nach Hause gehen sollte.

"Für ein strukturiertes Screening kann das System einen Beitrag leisten", sagt Thomas Neumuth, stellvertretender Direktor des Leipziger Innovationszentrums für Computer-assistierte Chirurgie und Spezialist für modellbasierte Medizin. Die Messtechnologien sind laut Neumuth weitgehend etabliert. Wie verlässlich das System ist, sei ohne Veröffentlichungen allerdings schwer zu sagen. "Positiv ist aber auf alle Fälle, dass es die Kinder nicht gleich nach Hause schickt, sondern zu Fachpersonal für weitere Untersuchungen."

Auch wenn Walklake keinen medizinischen Grund zur Sorge findet, sendet er die gesammelten Daten an die Kindergartenleitung. Dem Hersteller zufolge lässt sich der Gesundheitsroboter auch für andere Aufgaben nutzen. So scannt er etwa beim Abholen die Gesichter der Eltern oder Großeltern und gleicht die Aufnahmen mit hinterlegten Fotos ab. Darüber hinaus kann er Betreuer vertreten, Kinder zu Klassenräumen geleiten oder als Hilfslehrer Lieder und Geschichten abspielen.

KI-Experten wie Joanna Bryson von der britischen University of Bath mahnen allerdings zu besonderer Sorgfalt bei der Datensicherung. Sie empfiehlt, solche sensiblen Daten möglichst nicht dauerhaft zu speichern. Sie sieht aber auch die Vorteile: Die Roboter könnten die Kinder dazu animieren, lästige Untersuchungen bereitwilliger mitzumachen. "Wir sind endlos fasziniert von Geräten, die menschenähnlich aussehen und sich kontrollieren lassen", sagt Bryson.

Medizinische Robo-Assistenten sind in China offenbar im Kommen. Auch andere Unternehmen bieten Maschinen für Gesundheitschecks an Kindern an. Darüber hinaus bestand 2017 sogar ein Roboter des chinesischen Herstellers iFlytek die Abschlussprüfung für Ärzte und erzielte mit 456 Punkten 96 Punkte mehr als erforderlich. Seitdem assistiert er Ärzten im Regionalkrankenhaus von Anhui – bislang noch als Pilotprojekt.

Diesen und weitere spannende Artikel lesen Sie in der neuesten Ausgabe von Technology Review (jetzt im gut sortierten Zeitschriftenhandel und bis 25. Juli 2019 versandkostenfrei im heise shop bestellbar).

(jle)