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China drängt auf den weltweiten IT-Markt

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Plastikspielzeug, Plagiate und billige Massenware: Chinesische Exportgüter hatten bisher nicht den besten Ruf. Nach dem Willen vieler chinesischer Unternehmen soll sich das in absehbarer Zeit gründlich ändern. Nachdem sie sich die Rolle der verlängerten Werkbank für große Elektronik-Konzerne gesichert hatten, wollen chinesische Hersteller nun mit eigenen Premium-Produkten vom UMTS-Handy bis zum Flachbild-Fernseher den Markt aufmischen. Auf der CeBIT gibt es einen regelrechten Aussteller-Boom aus dem Reich der Mitte: Rund 300 chinesische Unternehmen sind in diesem Jahr nach Hannover gekommen -- zehnmal so viele wie 2001.

Spätestens seit der Übernahme des IBM-PC-Geschäfts durch die chinesische Lenovo ist klar, dass die IT-Industrie in China ihren ehrgeizigen Plänen Taten folgen lässt. Lenovo ist nach der Übernahme der drittgrößte Hersteller von Personalcomputern weltweit -- nach Dell und Hewlett-Packard.

Chinesische Unternehmen wie Huawei Technologies (Halle 13, Stand D20) oder die Haier Electronics Group (Halle 26, Stand C60) drängen auf die westlichen Märkte, das Land investiert Milliarden in die Entwicklung von Software und Geräten und hofft darauf, eigene Marken fest auf dem Weltmarkt zu etablieren. Für 2004 schätzen Marktbeobachter den Umsatz der chinesischen IT-Branche auf annähernd 210 Milliarden US-Dollar, 13 Prozent mehr als noch 2003.

Die Haier-Gruppe will bereits in diesem Jahr den Angriff auf den europäischen TV-Markt eröffnen und präsentierte auf der CeBIT ihre Strategie. "Unser Ziel ist es, bis 2008 die Nummer drei unter den Flachbildschirm-Herstellern in Europa zu sein", sagte Paolo Mainardi, Europa-Chef der Haier-Gruppe. Mit eigenen Plasma- und LCD-Fernsehern will Haier bis 2008 weltweit einen Marktanteil von 10 Prozent erreichen. Das entspricht etwa 12 Millionen verkauften Geräten. Im laufenden Jahr sollen 50.000 Geräte in Europa abgesetzt werden, 2006 sollen es bereits 120.000 Stück sein. Im vergangenen Jahr steigerte Haier den Auslandsumsatz um 227 Prozent auf umgerechnet rund 90 Millionen Euro.

Erst zum zweiten Mal stellt Haier in diesem Jahr auf der CeBIT aus, erst seit 2004 unterhält das Unternehmen eine europäische Außenstelle in Italien. Doch an Selbstbewusstsein mangelt es der Firma, die mit Kühlschränken und Waschmaschinen groß wurde, nicht: Mit eigenen Handys will Haier langfristig auch auf dem Mobilfunkmarkt der Konkurrenz wie Nokia, Motorola oder Samsung Marktanteile streitig machen. Haier verhandle derzeit mit führenden europäischen Mobilfunkbetreibern um die Zertifizierung von zwei Kamera-Handys, hieß es auf der CeBIT.

Experten bezweifeln indes, dass die Geräte chinesischer Hersteller den Anforderungen der Netz-Betreiber wie T-Mobile oder Vodafone gewachsen sein werden. "Die chinesischen Hersteller haben bei der Produktion von Mobiltelefonen noch einiges zu lernen", sagt Analyst Ben Wood vom Marktforschungsinstitut Gartner. Dennoch seien die chinesischen Hersteller nicht zu unterschätzen. Ihre langfristige Planung mache sie zu ernsthaften Konkurrenten, die mit Beharrlichkeit ihre Ziele verfolgten. Dabei könnte auch die angeschlagene Handysparte von Siemens eine Rolle spielen. Zwar haben Hersteller wie Haier eine Übernahme abgelehnt, doch bei der chinesischen Huawei ist das letzte Wort vermutlich noch nicht gesprochen.

Der Präsident des japanischen Flachbildschirm-Experten NEC-Mitsubishi Electronics Display (Halle 21, Stand B58), Hirotoshi Matsuda, vergleicht den Aufstieg Chinas mit dem japanischen. "Wir waren doch selbst Auftragshersteller für die USA und Europa. Heute lassen wir in China produzieren. China wird die Technologie absorbieren." Dass Taiwan einen Großteil der Produktion nach China verlagert habe, werde diesen Prozess noch beschleunigen. Alles in allem könne er aber noch zehn Jahre dauern. (Sebastian Raabe, dpa und Andreas Hippin, dpa-AFX) / (anw)

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