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Telepolis

China fahndet im Internet nach Verdächtigen für die Unruhen in Lhasa

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Die chinesische Regierung hat erstmals zugegeben, dass in der Provinz Sichuan Sicherheitskräfte während der Unruhen in Notwehr auf Zivilisten geschossen hätten und dabei angeblich vier Personen verletzt worden seien. Es seien auch zahlreiche Polizisten bei den Aufständen verletzt worden. China gibt zu, dass diese nicht nur in Tibet, sondern auch in anderen Provinzen ausgebrochen seien, bezeichnet sie aber weiterhin als organisierte Aktionen, macht die "Dalai-Lama-Clique" dafür verantwortlich und versucht, sie vor allem als Gewalttaten und Plünderungen eines Mobs darzustellen.

Insgesamt seien bei den Unruhen 325 Menschen verletzt und 13 Menschen getötet worden, mehr als 170 Personen hätten sich der Polizei gestellt. Zudem seien viele Geschäfte geplündert und Gebäude zerstört oder in Brand gesteckt worden. Chinesische Regierungsmitglieder beschweren sich darüber, dass in vielen westlichen Medien die Berichterstattung über die Unruhen und das Vorgehen der Regierung nicht den Fakten entspreche, wenn beispielsweise nur von friedlichen Protesten gesprochen werde.

China hat alle ausländischen Journalisten und die meisten Touristen aus Tibet ausgewiesen. Gleichzeitig rücken Tausende von Polizisten und Sicherheitskräften in Tibet ein, sperren die Hauptstadt Lhasa und führen Razzien durch. Hunderte von Personen wurden angeblich bereits festgenommen.

China kündigte an, die für die Unruhen in Lhasa Verantwortlichen, die sich nicht freiwillig gestellt haben, festzunehmen und mit aller Härte zu bestrafen. Bislang werden 24 Personen gesucht. Fahndungsbilder wurden, so die staatliche People's Daily auch im Internet veröffentlicht, beispielsweise bei yahoo.com oder sina.com. Die Bürger werden aufgerufen, gegen Belohnung Hinweise auf die Gesuchten zu geben. Zwei der Gesuchten seien bereits festgenommen worden, einer habe sich gestellt. Shanghai Daily berichtet, dass dazu auch Bilder von Überwachungskameras verwendet worden seien. Die veröffentlichten Bilder zeigten die Gesuchten, während sie Steine werfen oder Geschäfte zerstören.

Reporter ohne Grenzen berichten, dass in Tibet ausländische Rundfunksender gestört werden und Internetcafés den Befehl erhalten hätten, ihre Kunden noch stärker zu überwachen um zu verhindern, dass "Staatsgeheimnisse" in Form von Videos und Fotos verschickt werden. Zudem seien die Telefonverbindungen weiter gestört. Nach anderen Berichten wird die Internetsuche nach bestimmten Begriffen weiterhin blockiert, YouTube ist immer noch gesperrt. (fr)

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