China fand US-Atomgeheimnisse im Internet

Mit einer Vorführung vor der internationalen Presse kontert die chinesische Regierung den Vorwurf der USA, Atomwaffen-Geheimnisse ausspioniert zu haben.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Auf einer ungewöhnlichen Pressekonferenz hat die chinesische Regierung den Vorwurf der USA zurückgewiesen, Atomwaffen-Geheimnisse ausspioniert zu haben: In einer Live-Demonstration lud ein chinescher Computer-Spezialist detaillierte Daten über die Konstruktion des Mini-Atomsprengkopfes W88 aus dem Internet. Das berichtet das US-Nachrichtenmagazin Newsweek. Der sogenannte "Cox Report", in dem die chinesischen Spionage-Aktivitäten aufgelistet werden, hatte zu erheblichen Spannungen zwischen den beiden Atommächten geführt.

Eine gute Informationsquelle für Atomwaffen-Experten ist nach chinesischen Angaben unter anderem die Website der Federation of American Scientists (FAS), eine Organisation, die sich seit Jahren für atomare Abrüstung einsetzt. Aber auch Diskussionsgruppen amerikanischer Atom-Wissenschaftler hätten sich "als großartige Nachrichtenquelle" erwiesen. Der FAS-Atom-Experte Charles Ferguson wies die chinesische Darstellung allerdings zurück. Auf der Website seiner Organisation seien zwar zahlreiche Informationen zu Atomwaffen zusammengetragen, aber "wir haben da kein Handbuch oder ähnliches". Auch wenn die Konstruktion der wichtigsten Komponenten genau beschrieben sei, so Ferguson, bestünde eine moderne Atombombe doch "aus Tausenden von Teilen". (wst)