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China hält an Zeitplan zur Einführung von Filtersoftware fest

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Die chinesische Regierung hält an ihrem Plan fest, Computerhersteller ab dem 1. Juli zu verpflichten, ihre Geräte mit der Filtersoftware "Green Dam Youth Escort" auszuliefern. Das berichtet die offizielle chinesische Tageszeitung China Daily. Zuvor habe die US-Botschaft in Peking ihre Besorgnis über wirtschaftliche und technische Probleme ausgedrückt, die mit der Software verbunden seien. Zudem könne der freie Fluss der Meinungen gestört werden. Derlei sei nicht mit dem Ziel Chinas zu vereinbaren, eine moderne, auf Informationen basierende Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen.

Nachdem die geplante Vorschrift vor gut zwei Wochen bekannt geworden war, hatten sich führende US-amerikanische IT-Verbände mit ähnlichen Argumenten zu Wort gemeldet. Zudem warf die US-Firma Solid Oak den Herstellern der Filtersoftware Jinhui Computer System Engineering und Dazheng Human Language Technology vor, sie hätten Code geklaut. Dies weist Jinhui zurück, schreibt China Daily.

Die Zeitung berichtet weiter, durch ein Sicherheits-Update sei eine Lücke geschlossen worden. Der Wissenschaftler J. Alex Halderman von der University of Michigan habe aber betont, dass die Software nicht hinreichend getestet worden sei. Es sei nicht auszuschließen, dass die Software vor dem 1. Juli weitere große Probleme aufweise. Halderman ist einer der Forscher, die die Sicherheitslücke in der Software aufgedeckt haben.

Unterdessen hat der in China bekannte Künstler und Architekt Ai Weiwei über den Mikrobloggingdienst Twitter zu einer Boykottaktion gegen die Filtersoftware aufgerufen. Die chinesischen Computernutzer sollten am 1. Juli für einen Tag offline gehen. Die Regierung der Volksrepublik betont, die Software diene dem Schutz von Minderjährigen vor Pornografie und anderen, für sie schädlichen Inhalten. Kritiker befürchten, Green Dam könne darüber hinaus auch zur politischen Zensur des Internets dienen. (anw)

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