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China will Blockchain-Dienste aus der Anonymität holen

Chinesische Nutzer müssen wohl bald ihren echten Namen angeben, wenn sie Blockchain-basierte Dienste wie Bitcoin-Zahlungen verwenden wollen.

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China will Blockchain-Dienste aus der Anonymität holen

(Bild: geralt)

Die chinesische Regierung setzt weiter auf ein hartes Regime gegenüber dezentralen Kryptowährungen und anderen Diensten, die auf der Datenbanktechnik Blockchain basieren. Künftig müssen die Anbieter entsprechender Services von Kunden zunächst den echten Namen sowie die Nummer ihres nationalen Ausweises erfassen, berichtet die South China Morning Post unter Verweis auf eine Regulierungsinitiative der Cyberspace-Verwaltungsbehörde.

Schon jetzt lassen sich Zahlungen mit der auf der Blockchain beruhenden Währung Bitcoin und die beteiligten Transaktionspartner prinzipiell mit etwas Aufwand nachverfolgen. Trotzdem hängt Kryptozahlungsmitteln der Ruf an, weitgehend anonym zu funktionieren. US-Startups wie Steemit erlauben Nutzern, anonym Inhalte auf ihren Social-Media-Plattformen zu veröffentlichen. Mitglieder können dabei Tokens erhalten, wenn sie Beiträge liefern, verbreiten oder kommentieren.

Neben dem Zwang, persönliche Identitätsdaten von Nutzern zu erheben, gehen die geplanten Auflagen für Provider von Blockchain-Diensten aber noch weiter. So sollen sie laut South China Morning Post auch verpflichtet werden, Inhalte zu zensieren, die eine Gefahr für die innere Sicherheit darstellten könnten. Zudem müssen sie Nutzerdaten auf Vorrat speichern und den Behörden auf Anfrage zur Verfügung stellen.

Rund um das Vorhaben hat die Cyberspace-Verwaltungsbehörde zunächst eine öffentliche Konsultation gestartet, die bis 2. November läuft. Ob danach noch wesentliche Inhalte des Vorschlags geändert werden und wann die neuen Regeln in Kraft treten, ist vorerst offen.

Peking reagiert mit dem Entwurf offenbar auf einen Vorfall im April, als ein chinesischer Aktivist einen offenen Brief mit Vorwürfen über eine angeblich vertuschte schwere sexuelle Belästigung an einer Spitzenuniversität des Landes auf der Ethereum-Blockchain publik machte. Der Vorgang soll zwar bereits vor über zwei Jahrzehnten passiert sein, die Hinweise darauf erregten aber trotzdem Aufsehen. Auf den chinesischen sozialen Netzwerken wie WeChat oder Weibo wurden derlei Beiträge rasch gelöscht, sodass der anonyme Whistleblower seinen Brief an eine Ether-Transaktion an sich selbst anknüpfte; ähnlich wie bei einer Verwendungsmitteilung bei einer klassischen Überweisung. Da alle Transaktionseinträge bei Ethereum öffentlich sind, konnte jeder Interessierte die Notiz lesen.

Der Handel mit mehr oder weniger anonymen Kryptowährungen ist in China bereits offiziell verboten, voriges Jahr untersagte Peking auch die Investmentform Initial Coin Offering (ICO), die meist dem Crowdfunding dienen. Kryptogeld-Börsen verlagerten daraufhin ihren Betrieb oder stellten ihn ganz ein. Mittlerweile gehen die chinesischen Behörden auch massiv gegen das "Schürfen" von Kryptowährungen in Rechenzentren des Landes vor und beschlagnahmt Farmen. (anw)

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