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China will Netz an Stromtankstellen massiv verdichten

In Chinas Städten soll bald im Umkreis von einem Kilometer mindestens ein Ladepunkt für E-Autos verfügbar sein. Allein in Peking gibt es schon 50.000 davon.

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(Bild: Kristina Beer)

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China ist mit 1,23 Millionen betriebenen E-Autos Weltmeister im Bereich der Elektromobilität. Das zeigt sich auch bei der zugehörigen Infrastruktur: Aktuell seien im Reich der Mitte rund 240.000 öffentliche Stromtankstellen mit jeweils mehreren einzelnen Ladepunkten in 273 Städten in 26 Provinzen verfügbar, erklärte Hang Yin, Vizedirektor der Stromnetzabteilung beim staatlichen Energieunternehmen State Grid Corporation of China (SGCC), Ende der Woche auf der Interchange Network Conference (ICNC) des E-Roaming-Anbieters Hubject in Berlin. In Peking allein gebe es rund 4300 einschlägige Einrichtungen mit etwa 50.000 Ladepunkten.

Bis 2020 sind Hang zufolge 20.000 weitere Stromtankstellen geplant, darunter 1350 Schnellladestellen entlang von 16 Autobahnen. Mittelfristig solle ein "531-Netzwerk" entstehen: In Vororten und Randzonen werde dann dem Plan nach im Umkreis von fünf Kilometern ein einschlägiger Servicepunkt erreichbar sein, in verdichteten Innenstädten betrage der Radius drei, im verbleibenden urbanen Zwischenraum sogar nur einen Kilometer. Zum Vergleich: Hierzulande waren Anfang Februar insgesamt 9377 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge an 4666 öffentlich zugänglichen Stromtankstellen verfügbar. Bis 2020 sollen 100.000 weitere Punkte dazukommen.

Ein Smart Grid mit "intelligenten" Stromzählern habe die SGCC in weiten Teilen des Landes bereits aufgebaut, berichtete der Projektmanager. "Jetzt wollen wir ein eng verzweigtes 'Charging Grid' hinbekommen." In dieses sollten die Batterien von E-Autos als "virtuelle kleine Stromkraftwerke" mit einbezogen werden. Um das Netz auszubalancieren, werde der Strom schon jetzt in der Nacht günstiger angeboten. Zudem sei der Status einzelner Ladepunkte über ein zentrales Überwachungssystem in Echtzeit abrufbar. Eine Reparatur einer Stelle dauere in Peking durchschnittlich 45 Minuten.

Als Hindernisse auf dem Weg zu dem skizzierten engmaschigen Netz machte Hang, der auch für den Berliner SGCC-Ableger des Global Energy Interconnection Research Institute Europe (GEIRI) tätig ist und den hiesigen Strommarkt im Blick hat, unter anderem verschiedene Ladetechniken aus. Zudem sei es selbst in dem großen Reich nicht immer einfach, die für die Stromzapfsäulen benötigten öffentlichen freien Flächen zu finden.

Chinesische Startups machen sich parallel daran, das Laden vor allem für Groß- und Firmenkunden zu vereinfachen. Der Mitgründer von XCharge, Simon Hou, nannte als Ziel des Lösungsproviders, ein Aufladen der von der Regierung in Peking sehr stark geförderten Firmen- und Behördenflotten über das Internet der Dinge zu ermöglichen. Spezielle "SuperCharger" verfügten dabei bereits über eine Leistung von bis zu 400 kW, sodass ein Akku binnen 15 Minuten vollgeladen werden könne. Dazu komme eine standardisierte Programmierschnittstelle (API) für Kontrollmöglichkeiten über mobile Endgeräte.

Die Firma XCharge baut eine Cloud-Infrastruktur mit speziellen "SuperChargern" zum Aufladen der Elektroautos auf.

(Bild: Stefan Krempl)

Der Anbieter betreibe unter anderem eine große Stromtankstelle in Shenzhen für Busse, Lkws und Taxis, von der täglich 16.000 kWh abgezapft würden, führte Hou aus. Die durchschnittliche Ladung dauere dabei 35 Minuten. XCharge erwarte auch in Europa vor allem im Flottenbereich ein starkes Wachstum, sodass das Unternehmen eine Niederlassung in Hamburg eröffnet habe und hierzulande mit Partnern zusammenarbeite wie dem TÜV Rheinland, OKheim und ProCom.

Ethan Zhu vom Energiedienstleister Shanghai PowerShare Tech stellte eine Cloud-Plattform für E-Taxis des Herstellers BYD vor, über die 1231 Ladepunkte kontrolliert und 4863 Aufträge pro Tag abgewickelt würden. 95 Prozent der Kunden bezahlten dabei mit einer bargeldlosen Lösung über WeChat. Bei E-Roaming-Anbietern, die unterschiedliche Lade- und Abrechnungssysteme zusammenführen sollen, erwartet der Geschäftsführer des Anbieters starkes Wachstum. Das Unternehmen selbst arbeite in China mit den internationalen Größen Daimler und BMW sowie mit nationalen Produzenten wie Geely oder Hozon Auto zusammen. Die Nachfrage sei groß: Allein in Schanghai seien 2017 rund 55.000 Elektrofahrzeuge verkauft worden. (tiw)