Chinas Computerspiele-Hersteller auf dem Vormarsch

Chinas Computerspiele-Industrie konnte in den vergangenen Jahren jeweils Wachstumsraten von über 50 Prozent verzeichnen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 37 Beiträge
Von
  • Monika Ermert

Beispiele für den positiven Einfluss des Internet auf die Wirtschaft in Entwicklungsländern sind gefragt. Zhan Ye, CEO von GameVision, lieferte bei der INET in Barcelona eine der begehrten Erfolgsstories, denn Chinas Computerspiele-Industrie konnte in den vergangenen Jahren jeweils Wachstumsraten von über 50 Prozent verzeichnen. Bei derzeit 200 Anbietern in China ist noch Luft nach oben, meint Zhan.

Das Erfolgsrezept der boomenden Branche besteht laut Zhan Ye auch darin, dass die Unternehmen nicht mehr vom Verkauf der Spiele-CDs, sondern von der Registrierung in den Online-Communities leben. Durch diesen Schachzug halten die Anbieter nämlich inzwischen Chinas illegale Kopierer besser in Schach als früher, sagte Zhan. Ein Serviceangebot sei schwerer zu fälschen als eine CD. 30 bis 40 Communities gibt es derzeit, in denen sich mindestens 60 Millionen Nutzer tummeln. Kung-Fu-Spiele und historische Rollenspiele sind besonders gefragt.

Das Spielfieber beschert auch anderen Branchen Wachstumsraten. Laut Zhan machen die Online-Spiele etwa 60 Prozent des Datenverkehrs bei Internet-Service-Providern aus und auch die Backbone-Anbieter freuen sich, denn die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen wächst. Der nächste Boom wird laut Zhans Einschätzung durch das mobile Spielen ausgelöst. Dabei werden Chinas Unternehmen und Entwickler wiederum davon profitieren, dass die wachsende städtische Mittelklasse bereit ist, fürs letzte High-Tech-Spielzeug viel Geld zu bezahlen. Zhan nennt dies einen der Vorteile sich entwickelnder Märkte ebenso wie der Verstädterung, die Telekommunikationsanbietern einen enorm dichten und leicht zu erschließenden Markt beschert.

Wenn Zhan mit seinem eigenen Spiel antreten will, soll es etwas ganz neues sein. Ein Spiel, das auf der neueren chinesischen Geschichte basiert, wird es wohl nicht sein. Denn trotz der Freude der Regierung über den Boom, jedes Spiel muss eine Zulassung vom Kulturministerium erhalten. Dort wird sehr genau darauf geachtet, dass nicht von der Parteilinie abgewichen wird. Wie in Spielen über den Koreakrieg oder das chinesische Mittelalter: "Die chinesische Seite kann nie verlieren", sagt Zhan. "Am besten lässt man die Finger von der Politik." (Monika Ermert) / (anw)