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Chinas Netzbetreiber drängen auf IPv6

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Ende 2011 werden der China Telecom nach Angaben von Zhao Hui-Ling, Vizepräsidentin des Beijing Research Institute (BRI) von China Telecom, rund 20 Millionen IP-Adressen fehlen (PDF Datei). In den kommenden fünf Jahren rechne man beim chinesischen Telecom-Riesen wegen neuer Dienste sogar mit einem Adressbedarf im Milliardenbereich, sagte Zhao zum Auftakt des 79. Treffens der Internet Engineering Task Force (IETF) in Peking. Die Einführung von IPv6 dränge, unterstrichen Zhao und ihr Kollege, Bill Huang, General Manager of China Mobile Research Institute.

Weder die maximale Nutzung der vorhandenen IPv4-Adressen durch "Network Address Translation" (NAT), noch mögliche "Zukäufe" von Adressen, würden am Ende ausreichen, prognostiziert Zhaos. Zwar lassen sich die knappen IPv4-Adressen nach Ansicht von Netzexperten noch auf Jahre hinaus auf viele Nutzer verteilen, die hinter NAT-Boxen verborgen sind. Irgendwann werde diese Lösung aber sehr komplex und damit sehr teuer, lautet die allgemeine Einschätzung.

"Wir denken, NAT ist keine gute Lösung", betonte die chinesische Ingenieurin. Letztlich komme man an IPv6 nicht vorbei. China Telecom erprobe daher seit dem vergangenen Jahr in einzelnen Regionen verschiedene Übergangszenarien und Übersetzungsszenarien zwischen dem alten und dem neuen Protokoll. Zhao sagte, vermutlich werden das Unternehmen auf einen "Cocktail" verschiedener Lösungen setzen, maximale Nutzung der vorhandenen Adressen mit Dual-Stack, aber auch Tunnellösungen mit IPv6-Adressen und NATs. Für die gerade zu Ende gegangene Expo in Shanghai lieferte China Telecom schon einmal IPv6-Konnektivität, als nächste IPv6-fähige Großveranstaltung ist die Universiade 2011 in Shenzhen im Visier.

"Die Tatsache, dass viele Leute über IPv6 sprechen, bedeutet nicht, dass wir wirklich bereit sind", sagte Huang. Nach wie vor gebe es eine ganze Reihe von Problemen (PDF Datei) bei der Einführung von IPv6: Router, die IPv6 unzureichend unterstützen, Schwierigkeiten beim Packet-Filtering und Service-Plattformen, die über Jahrzehnte auf der Basis von Ipv4 entwickelt worden seien. Vor allem, so Huang, gebe es für die großen Netzwerkbetreiber keinerlei Garantie, dass die Einführung von IPv6 ohne Schwierigkeiten bewältigt werden könne.

Empfehlungen unter anderem von Comcast-Netzarchitekt John Brzozowski, einfach keine Rücksicht mehr auf Dienste zu nehmen, die IPv6 noch nicht unterstützen – etwa Skype – erteilte Huang eine Absage. Ein Verzicht auf Skype habe eine Reihe potenzieller Testnutzer abgehalten, sich an einem Ericsson-Testlauf mit reiner IPv6-Anbindung zu beteiligen, sagte Ericsson-Forscher Jari Arkko. Auch auf fast alle getesteten Spiele mussten die Testnutzer verzichten.

Ohne viel mehr IPv6-Anwendungen werde es auch kein IPv6-Internet geben, warnte Lee Xiaodong, CTO der chinesischen Domain-Registry und nationalen IP-Adress-Registry CNNIC. Die fehlende Nachfrage auf Seiten der Nutzer nannte Lee "deprimierend". CNNIC verzeichnet (PDF Datei) im laufenden Jahr zwar einen großen Satz bei der Zuteilung von IPv6-Blöcken, China rangiere auf Platz 13 weltweit. Allerdings werden nur 102 /32-Blöcke tatsächlich genutzt, in der Hauptsache sei dies auf die verschiedenen Tests zurückzuführen.

IPv6-Unterstützung von Seiten der Inhalteanbieter nannte auch Comcast-Ingenieur Brzozowski zentral, um IPv6 voranzubringen. Comcast testet seit Anfang des Jahres IPv6 mit rund 7000 Nutzern und schwört darauf, ohne NAT, Tunnel oder "Encapsulation" zu arbeiten. Die Deutsche Telekom hat im Oktober einen IPv6-Start für hiesige DSL-Kunden für das erste Quartal 2011 angekündigt

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(pmz)