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Chinas ganz eigene Wikipedia

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Dass die Wikipedia in der Volksrepublik China nicht wohl gelitten ist, ist seit Längerem bekannt: Immer wieder wird die freie Online-Enzyklopädie von den chinesischen Behörden blockiert. Doch gegen das Wiki-Prinzip scheint es kein wirksames Mittel zu geben: Der chinesische Suchmaschinenanbieter Baidu hat jetzt ein eigenes kollaboratives Lexikon unter dem Namen Baike gestartet.

Das neue Lexikon setzt auf Mitwirkung, aber auf keine Wiki-Plattform. Anders als in der Wikipedia müssen die Nutzer zur Teilnahme registriert sein, die Beiträge werden von Moderatoren erst freigeschaltet. Über mangelndes Interesse kann sich der Newcomer offenbar nicht beschweren. Nach chinesischen Berichten sollen auf der Plattform in den ersten Tagen des Testbetriebs gleich Tausende neuer Artikel veröffentlicht worden sein.

Ein besonderes Zensur-Feature haben sich die Verantwortlichen für das Online-Lexikon bei Baidu einfallen lassen. Wer nach Begriffen wie "Demokratie" oder "Falun-Gong" sucht, erhält nicht nur kein Ergebnis, sondern wird auch für eine bestimmte Zeit vom Zugriff auf die Webseite blockiert. Diese Sperre greift auch bei Zugriffen außerhalb von China.

Auch auf der anderen Seite der "Großen Firewall" sorgt die Wikipedia wieder für einen kleinen politischen Skandal. Im Wahlkampf um den Gouverneursposten in Georgia musste nun der Wahlkampfmanager der demokratischen Kandidatin Cathy Cox seinen Posten räumen. Morton Brilliant wird dafür verantwortlich gemacht, dass in der Wikipedia-Biographie des Gegenkandidaten Mark Taylor (ebenfalls von den Demokraten) Details zur Verhaftung dessen Sohnes eingestellt wurden. Cox entschuldigte sich für dieses Wahlkampfmanöver. (jk)