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Chinesischer IT-Manager wegen Korruption hingerichtet

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Der 50-jährige IT-Manager Wen Mengjie wurde in China wegen Korruption hingerichtet.

In Peking ist am gestrigen Dienstag der ehemalige IT-Verantwortliche der Agricultural Bank of China (ABC), Wen Mengjie, hingerichtet worden. Wen war für schuldig befunden worden, im Rahmen der Anschaffung von Computer-Equipment für die Bank umgerechnet eine Million Euro an Bestechungsgeldern angenommen zu haben. Das Geld soll von insgesamt vier Firmen gezahlt worden sein, die vor allem im Bereich der Herstellung von Geldausgabeautomaten (Automatic Teller Machine, ATM), aktiv sind. Zu den Lieferanten der Agricultural Bank of China gehören unter anderem die weltweit größten ATM-Hersteller Diebold, NCR Corporation und Wincor Nixdorf.

Wen, der im Sommer 2004 festgenommen worden war, erklärte vor Gericht, die IT-Firmen hätten das Geld freiwillig als Provisionen gezahlt. Das Gericht folgte jedoch den Ausführungen der Anklage, wonach Wen die Zahlung von Schmiergeldern zur Bedingung für den Abschluss von Lieferverträgen gemacht habe. Die Gelder seien auf Wens Privatkonto sowie auf Konten der von Wen gegründeten Firma Beijing Jinxin Sichuang Technology überwiesen worden. Wen habe zudem umgerechnet rund 414.000 Euro an Bankgeldern veruntreut, um drei Häuser im östlichen Teil Pekings abzuzahlen, die er Ende 2002 gekauft hatte.

Aufgefallen war Wen offiziellen Angaben zufolge, als er taschenweise Geld bar bei einer Bankfiliale eingezahlt hatte. Die Angestellten hätten daraufhin die Anti-Korruptions-Behörden verständigt, die eine mehrmonatige Untersuchung gegen den IT-Manager einleiteten. Im Jahr 2006 verurteilte ihn ein Volksgericht in Peking wegen Unterschlagung und Bestechung zum Tode. Der Oberste Gerichtshof bestätigte das Urteil später. Wen wurde am frühen Dienstagmorgen exekutiert. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen werden in China pro Jahr bis zu 8.000 Menschen hingerichtet. Die offiziellen Stellen geben für das Jahr 2006 etwas mehr als eintausend Exekutionen an.

Die Grenze zwischen der Zahlung von Provisionen und Bestechungsgeldern ist in China häufig nur schwer zu ziehen. So hatte ein Siemens-Manager zuletzt gegenüber der Wirtschaftswoche erklärt, rund 90 Prozent des Geschäfts in China werde über Mittelsmänner abgewickelt. Ohne die würde da gar nichts laufen. Die Agricultural Bank of China ließ erklären, dass ihre Mitarbeiter keine Erlaubnis hätten, Provisionen anzunehmen. Das Bankhaus mit einer Bilanzsumme von über 680 Milliarden US-Dollar war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil es Mitarbeitern einer Filiale in Handan (Provinz Hebei) gelungen war, umgerechnet 4,9 Millionen Euro zu entwenden – laut Staatsmedien der größte Bankraub in der Geschichte der Volksrepublik. (pmz)