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Chrome 69 verwirrt mit verkürzten URLs in Adresszeile

Die neue Chrome-Version 69 lässt bestimmte Bestandteile einer URL einfach weg: In der Adresszeile ist etwa das www nicht mehr zu lesen. Das sorgt für Kritik.

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Chrome 69 verwirrt mit verkürzten URLs in Adresszeile

Mit der neuesten Chrome-Version 69 ändert der Browser auch die Darstellung von URLs in seiner Adresszeile: "Triviale" Bestandteile fallen einfach weg, etwa bestimmte Subdomains wie m., das in der Regel mobile Webseiten kennzeichnet. Auch das www. zeigt Chrome nicht mehr an – aus www.google.com wird ein platzsparendes google.com. URLs seien nämlich viel zu kompliziert, finden die Chrome-Entwickler. Bei den Nutzern aber sorgt die verkürzte Darstellungsweise für Unmut, schließlich sind Subdomains nicht unwesentlich. Zum 10. Geburtstag hatte Chrome außerdem ein neues Design erhalten.

In einem Bug-Report schreibt ein Nutzer: "Das ist eine dumme Änderung". Kein Teil einer Domain sollte als "trivial" behandelt werden, schließlich sind www.example.com und example.com zwei unterschiedliche Domains, die nicht immer zum selben Ziel führen. Der Kommentator kritisiert, dass die "Marketing-Welt" die Nutzer dazu erzogen hätte, das www als unwichtig anzusehen.

Als konkretes Beispiel führt ein anderer Nutzer die Domains http://www.pool.ntp.org und http://pool.ntp.org an – die erste URL führt den Besucher auf die NTP-Projekt-Seite, die andere zu einem zufällig ausgesuchten NTP-Server. In der Adresszeile von Chrome sehen die URLs jedoch gleich aus, weil das www fehlt. Die Verwirrung ist vorprogrammiert. Andere Nutzer machen zudem auf kleinere Inkonsistenzen aufmerksam. Wer weiterhin die komplette URL in der Adresszeile lesen will, muss unter about:flags das Flag "Omnibox UI Hide Steady-State URL Scheme and Trivial Subdomains" ändern.

Gegenüber dem US-Magazin Wired erklärte Chromes Engineering Manager Adrienne Porter Felt die Logik hinter den Änderungen: "Den Leuten fällt es nicht leicht, URLs zu verstehen". Sie seien schwer zu lesen und es sei nicht einfach, den vertrauenswürdigen Teil zu identifizieren. Die URL sei keine gute Möglichkeit, die Identität einer Webseite wiederzugeben. Die Nutzer sollen aber unbedingt verstehen, mit wem sie es zu tun haben, wenn sie eine Webseite aufrufen.

Weil URLs oft komplexe Gebilde sind, eigenen sie sich für Phishing und andere Tricks, die Besucher auf falsche Seiten locken. Ein Beispiel, das Ars Technica aufführt, ist die URL https://www.xn--80ak6aa92e.com: Chrome hatte sie in älteren Versionen als https://www.apple.com angezeigt, dabei hat die Seite mit Apple nichts zu tun. Die Chrome-Entwickler versuchen gegen solche Manipulationen vorzugehen. Einzelne Bestandteile einer URL auszublenden, scheint jedoch keine gute Strategie zu sein. Laut Wired diskutiert das Chrome-Team weiterhin aktiv, um eine gute Lösung zu finden. "Doch egal, was wir vorschlagen, die Nutzer werden es kontrovers diskutieren", glaubt Port Felt. "Aber es ist wichtig, dass wir etwas unternehmen, denn alle sind mit URLs unzufrieden. Sie sind irgendwie ziemlich scheiße."

Chrome hat bereits mit der Kennzeichnung von HTTPS-Seiten für Kritik gesorgt: Der Browser kennzeichnet HTTPS-verschlüsselte Seiten jetzt nur noch mit einem grauen Vorhängeschloss und nicht mehr mit einem deutlich sichtbaren "Sicher". Google meint, dass HTTPS inzwischen Standard ist und keiner besonderen Kennzeichnung bedürfe. Statistiken von Google selbst belegen, dass immer mehr Webseiten verschlüsselt ausgeliefert werden. Seit 2014 ist SSL ein Ranking-Faktor bei Google.

Update, 13. September 2018: Die Chrome-Entwickler haben auf die Kritik an der URL-Darstellung reagiert. Mit dem Update auf Chrome-Version 69.0.3497.92 ist in der Omnibox wieder die komplette URL zu lesen. In Chrome 70 soll wohl das www wieder ausgeblendet werden, nicht aber die Subdomain m, die in der Regel für Mobilseiten genutzt wird. Das geht aus einem Bug-Report hervor. Die Entwickler wollen das weitere Vorgehen diskutieren. (dbe)

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