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Chrome und Chromium: Was sind eigentlich die Unterschiede?

Sie klingen nicht nur ähnlich, sondern sind es auch – dennoch bestehen zwischen Chromium und Chrome Unterschiede, die leicht zu Missverständnissen führen.

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Chrome und Chromium: Was sind eigentlich die Unterschiede?

Microsoft verwendet für seinen Edge-Browser künftig Chromium als Unterbau. Aber was hat das mit Google Chrome zu tun – und was genau ist eigentlich Chromium? heise online erklärt die Unterschiede.

Nein. Chromium ist ein Open-Source-Browser für Windows, Linux, macOS und Android, der jedoch nicht für Endnutzer, sondern nur für Entwickler gedacht ist. Es gibt keinen Installer, sondern nur den Quelltext und halboffizielle Builds. Web-Entwickler, die neueste Chromium-Features testen wollen, sollten lieber die Entwickler- oder "Canary"-Version von Chrome benutzen, rät Google.

Google Chrome besteht (mit Ausnahme der iOS-Version) größtenteils aus Chromium, fügt diesem aber noch einige Bestandteile hinzu – insbesondere einen Auto-Updater, Audio- und Video-Codecs, Plug-ins für Flash und DRM-geschützte Inhalte sowie Google-Logos. Chrome selbst ist nicht Open Source.

Chromium wurde 2008 von Google begonnen, dessen Mitarbeiter bis heute den Großteil des Codes beitragen und das Projekt kontrollieren. Aber nicht alles stammt von Google: Bisher wirkten knapp 50 Unternehmen und 1000 einzelne Entwickler daran mit. Unter den namhaftesten Beiträgern sind Opera, Vivaldi, Yandex, BlackBerry, Facebook, Spotify, Akamai, ARM, HP, IBM, LG, Nvidia – und sogar Mozilla. Von den einzeln gelisteten Entwicklern lassen sich viele Samsung, Amazon und Intel zuordnen.

Blink ist die Rendering-Engine von Chromium – also der Kern des Browsers, der den Webseiten-Quelltext interpretiert und darstellt. Es spaltete sich 2013 von WebKit ab, genauer gesagt von dessen Komponente WebCore; die andere Hälfte von WebKit, den JavaScript-Interpreter JavaScriptCore, ersetzte Chromium von Beginn an durch die Eigenentwicklung V8.

WebKit startete 2001 als Basis für Apples Browser Safari und geht seinerseits auf das Linux-KDE-Projekt KHTML (ab 1998) zurück. Safari und Chrome haben also bei den Web-Standards eine gemeinsame Code-Basis, entwickeln sich aber seit Jahren getrennt voneinander.

Chromium ist nicht nur wegen des Erfolgs von Google Chrome so verbreitet, sondern weil es mittlerweile im Großteil aller Browser steckt. Ein Grund dafür ist, dass Chromium dank des Chromium Embedded Framework (CEF) verhältnismäßig einfach zur Grundlage einer Eigenentwicklung werden kann.

Die hierzulande nach Chrome bekanntesten Chromium-Browser dürften Opera, Vivaldi und Brave sein, gefolgt von Yandex Browser, Iridium, Iron und Torch. Bald gesellt sich Microsoft Edge für Windows zu ihnen. Darüber hinaus basiert fast jeder Android-Browser auf Chromium, unter ihnen einige weltweit sehr populäre: UC Browser, Samsung Internet, Edge für Android oder Amazon Silk sowie der durch Chrome ersetzte alte Android-Browser. Chromium findet sich auch in Anwendungs-Frameworks wie Electron oder Qt.

Nach dem bevorstehenden Aus für Microsofts eigene Browser-Engine werden nur noch wenige von Chromium unabhängige Browser übrig sein. Im Wesentlichen sind das Firefox, Safari, alle Browser für iOS, die Apples WebView-Komponente benutzen müssen sowie einige Exoten wie Epiphany, Midori oder Tor Browser.

In der Oberfläche und den Features sind die Chromium-Browser voneinander unabhängig und lassen sich nicht als solche erkennen; sie unterscheiden sich stark voneinander. Sogar beim Rendern von Inhalten gibt es bisweilen Differenzen. Überwiegend gehen diese zurück auf Hersteller, die bei der Integration der aktuellen Chromium-Version hinterherhinken oder nur sporadisch Updates verteilen. Außerdem kompilieren die Hersteller mit unterschiedlichen Einstellungen oder ergänzen eigenen Code – zum Beispiel Opera.

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(dbe)

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