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Cipher Event: Enigma-Verschlüsselung mit Turing-Bombe nach fünf Stunden geknackt

"Paderborn grüßt die Enigma-Codebreaker in Bletchley Park": dieser mit historischen Funkgeräten gemorste und von einer Enigma verschlüsselte Funkspruch wurde mit Hilfe eines Nachbaus der Turing-Bombe in fünf Stunden geknackt.

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(Bild: Detlef Borchers/heise online)

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Das CipherEvent am Paderborner Heinz Nixdorf Museumsforum (HNF) demonstrierte, wie die britische Abwehr im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe von Turing-Bomben in der Lage war, verschlüsselte Nachrichten des deutschen Militärs zu entschlüsseln. Sieben Kryptologen und ein Nachbau der Turing-Bombe brauchten fünf Stunden, um die Tageseinstellung einer Enigma zu finden und einen Funkspruch mit der known plaintextattack zu entschlüsseln. Bei der ersten Nachricht sollte es sich um einen Grußtext handeln mit vermutlich verwendeten Worten, im Englischen "cribs" genannt.

Keine Software-Simulation, sondern eine restaurierte 75 Jahre alte 3-Walzen-Enigma wurde in Paderborn genutzt, um 4 verschlüsselte Nachrichten zu erzeugen. Diese wurden von Funkamateuren an historischen Funkgeräten wiederholt auf 7036 kHz abgesetzt, so wie dies im II. Weltkrieg bei Luftwaffe, Heer und Marine tägliche Praxis war. Auf der "Gegenseite" wurden die Signale abgehört und Kryptologen stellten sich der Herausforderung, die drei von fünf möglichen Walzen zu bestimmen und die Walzenstellungen und 10 Steckerpositionen zu finden, die den sogenannte "Tagesschlüssel" einer Enigma bildeten. Unterstützt wurden sie vom Nachbau einer Turing-Bombe, wie sie in Kriegszeiten zu Dutzenden im Einsatz waren und von einem deutschen Wörterbuch.

Um 9:30 wurde der Funkverkehr in guter Qualität eröffnet, wie am Event beteiligte deutsche Funkamateure bestätigten. Drei Stunden brauchten die Kryptologen für die Steckerverbindung, weitere zwei Stunden für die Einstellung der Walzenringe für den Tagesschlüssel, dann war der zusätzliche Spruchschlüssel dank der Cribs schnell gefunden. Um 13:56 war es soweit: "Paderborn gruesst die Enigmacodebrecher in Bletchley Park", meldete Bletchley Park, ganz modern via Twitter.

Im II. Weltkrieg verfügte man über ganz andere Ressourcen. Üblicherweise lag die Tageseinstellung der verschiedenen Enigmas (Heer, Marine und Luftwaffe hatten jeweils eigene Codebücher für die Tageseinstellung) spätestens nach anderthalb Stunden vor. Sehr hilfreich war beispielsweise die Eigenart der Marinefunker, jeweils um 6 Uhr morgens den Wetterbericht zu schicken, der als Crib das Wort "Wetter" enthielt. Beim Afrika-Corps war ein Funker beschäftigt, der tagelang "Nichts los" funkte, jeweils mit der neuen Tageseinstellung verschlüsselt. Nach Ansicht von Historikern hat die Fähigkeit der Briten und Amerikaner, die Funksprüche entschlüsseln zu können, den Krieg verkürzt. Belegt ist dies für den U-Boot-Krieg im Nordatlantik. (axk)