Menü

Cisco klagt gegen Skype-Übernahme durch Microsoft

Cisco und der italienische VoIP-Dienstleister Messagenet haben am Mittwoch beim Gericht der Europäischen Union Klage gegen die geplante Übernahme des VoIP-Dienstes Skype eingereicht. Cisco-Manager Marthin De Beer erläuterte in einem Blogbeitrag, sein Unternehmen wolle damit vermeiden, dass Videotelekommunikation künftig auf nur wenige Dienstleister oder Anbieter bestimmter Mobiltelefone beschränkt werden könne.

Marthin De Beer, Senior Vice President, Emerging Business Group

Die US-Kartellwächter hatten die Übernahme bereits Mitte Juni 2011 genehmigt, die EU-Kommission folgte im Oktober, ohne Auflagen zu erteilen. Anders als in den USA ist es in der EU möglich, gegen solche Entscheidungen Einspruch zu erheben. Microsoft hatte zwar bereits im Mai versichert, dass Skype auch weiterhin plattformübergreifend verfügbar sein soll, doch das reicht Cisco offenbar nicht aus.

Der Netzwerkausrüster, der selbst Systeme für die Videotelefonie anbietet, respektiere die Entscheidung der EU-Kommission, die Übernahme zuzulassen, schrieb De Beer. Sie hätte allerdings Auflagen erteilen sollen, die eine breitere, auf offenen Standards basierende Interoperabilität gewährleisten. Damit könne verhindert werden, dass ein Unternehmen die Möglichkeit bekommt, die Zukunft der Videokommunikation zu bestimmen. Es gehe generell um die Frage, ob die Unternehmen für sich entscheiden, wie sie Interoperabilität gewährleisten, oder ob dies unabhängige Gremien übernehmen. Microsoft gab sich laut Medienberichten zuversichtlich, dass die Entscheidung der EU-Kommission in der bisherigen Form Bestand haben wird.

De Beer sorgt sich vor allem vor dem Hintergrund von Microsofts Plänen, Skype exklusiv in seine Lync Enterprise Communications Platform zu integrieren. Er befürchtet, dass Nutzer anderer Systeme für vereinheitlichte Kommunikation in Unternehmen die 700 Millionen Skype-Nutzer nicht mehr ohne Weiteres erreichen könnten. Stattdessen strebt Cisco an, Videotelefonie über verschiedene Plattformen hinweg zu einem ähnlich einfachen und verbreiteten Medium zu machen, wie es heutzutage der E-Mail-Verkehr ist. (anw)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige