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Cologne Web Content Forum: Noch viel aufzuholen

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In Köln diskutierten zum dritten Mal Medienschaffende, IT-ler und Marketingexperten im Cologne Web Content Forum über neue mögliche Wertschöpfungsketten im Internet und speziell im Social Web. Insbesondere die rasanten Entwicklungen des sozialen Netzes überfordern – so der gemeinsame Tenor der Experten – in großen Teilen deutsche Firmen, Verlage und Medien.

So bemängelte Leander Wattig im Panel über eBooks, dass er Verlagen oft "erst die Welt erklären" müsse. Der Blogger und Consultant warnte die – nicht im Plenum anwesenden – Verlage, ihre Kunden nicht wie die Musikindustrie zu gängeln. Berater Achim Himmelreich mahnte, dass moderne mobile Geräte neue Möglichkeiten eröffnen würden, der mentale Wandel aber noch nicht vollzogen sei. Er warnte davor, das Buch einfach nur als App oder eBook zu kopieren: "Es herrscht immer noch das klassische Buch im Hinterkopf". Einig waren sich die Experten, dass deutsche Verlage Apple oder Google nicht das Ruder überlassen dürften. Auch wenn der Buchhandel es schwierig habe, so Jens Löbbe, müsse man nach neuen Möglichkeiten suchen. Ibrahim Evsan lobte in diesem Zusammenhang die neuen Möglichkeiten der digitalen und sozialen Vernetzung von eBooks.

Das zweite spannende und ergiebige Panel ging der Frage nach "Liegt die Zukunft in personalisierten Echtzeit-Informationen?" In seinem Impulsreferat führte Prof. Dr. Klemens Skibicki den derzeitigen Kampf der Systeme – hier Google, da Facebook – vor Augen. Er zeigte, dass Benutzer zunehmend in sozialen Netzwerken im Internet leben und dort Informationen suchen, tauschen und kommunizieren anstelle sie über Google zu recherchieren.

Die Relevanz von Twitter zeigt sich besonders im Medien- und Nachrichtengeschäft. Sowohl Eva Werner, Pressesprecherin des DJV, als auch Holger Schmidt von FAZ.net gilt Twitter als zentrales Informations- und Kommunikationswerkzeug. "Für Journalisten ist Engagement im Social Web wichtig und Journalisten sollten hier vertreten sein.", so Werner.

Bei der Frage an den Marketing-Experten Mirko Lange, wie wichtig Echtzeitkommunikation für Unternehmen sei, warnte dieser erst einmal Unternehmen davor, sich im Social Web zu engagieren, wenn sie nicht bereit seien, mit den Kunden zu kommunizieren. Firmen sollten Social Media auf drei verschiedene Arten Nutzen: für Marketing, Relationship Management und Kunden-Service. Prof. Dr. Klemens Skibicki ergänzte: "Wenn eine Firma nicht in Facebook vorkommt, dann kommen diese Themen für junge Menschen nicht mehr vor." Generell herrschte auch hier der Konsens, dass deutsche Firmen noch viel aufzuholen hätten.

Dahingegen zeigte der zwischendurch eingeschobene Elevator Pitch, dass aber auch deutsche Internet-Firmen mit innovativen Ideen glänzen können. In dieser rasanten und unterhaltsamen Vorstellungsrunde präsentierten sich neun junge Start-ups in 60 Sekunden. Anschließend wurden Sie von den Experten vier Minuten unter die Lupe genommen. Entscheiden konnte den Wettbewerb schließlich Popmog für sich, ein Dienst, der Online-Spiele, spezielle Communityfunktionen für die Gamerzielgruppe und Dienstleistungen für Entwickler vereint. (jo)