Combots zieht bei Combots den Stecker

Die Karlsruher Combots AG stellt nun auch den Betrieb ihres Kommunikationsdienstes ein und will mit kleinerer Mannschaft und weniger Kosten ins neue Jahr starten.

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Von
  • Volker Briegleb

Die Revolution endet als nicht fortgeführter Geschäftsbereich. Mit dieser ernüchternden Bilanz schließt die Combots AG ihr drittes Quartal des Geschäftsjahres 2007 ab. Gegen Ende der Dreimonatsperiode von Juli bis September hatte der Karlsruher Anbieter beschlossen, seine mit großen Hoffnungen gestartete "revolutionäre" Kommunikationsanwendung nicht mehr weiterzuentwickeln, das Geschäft neu auszurichten und das Unternehmen zu restrukturieren. Am heutigen Freitag gab Gründer und Vorstand Michael Greve nun das endgültige Aus für Combots bekannt. Die unbefriedigende Marktakzeptanz und die mangelnde Selbstverbreitung stellten keine ausreichende Perspektive dar, um den Dienst weiter zu betreiben, heißt es aus Karlsruhe. Der Dienst wird eingestellt.

Nichts Neues vermeldet die Aktiengesellschaft dagegen von der Umsatzfront. Auch im dritten Quartal steht in der Gewinn- und Verlustrechnung ganz oben unter Umsatzerlöse wieder eine glatte Null. Der nicht fortgeführte Produktbereich Combots sorgte für einen Verlust von 16,76 Millionen Euro; mit den fortgeführten Aktivitäten summiert sich der Gesamtverlust auf 18,53 Millionen Euro oder 0,53 Euro pro Aktie. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen einen Verlust von 12,49 Millionen Euro ausgewiesen. Für die fortgeführten Aktivitäten weist das Unternehmen einen operativen Verlust von 1,86 Millionen Euro aus.

Durch die Restrukturierung, die bis zum Jahresende abgeschlossen sein soll, rechnet Combots mit einer deutlichen Entspannung. Die operativen Kosten sollen von 8,7 Millionen Euro im dritten Quartal auf etwa 6 Millionen zum Jahresende sinken, abhängig vom Verlauf der Restrukturierung. Für das Schlussquartal rechnet das Unternehmen noch einmal mit einem Verlust vor Steuern und Einmaleffekten von 5 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2008 sollen die Kosten dann weiter auf 2,2 Millionen gesenkt werden.

Befreit vom Ballast des von Beginn an skeptisch beurteilten Combots-Diensts will die AG in eine noch nicht näher umrissene Zukunft starten. Ein "kleines Team" soll "mögliche neue Online-Dienste evaluieren und gegebenenfalls anschließend entwickeln". Parallel dazu will das Unternehmen Verwertungs- und Fortführungskonzepte für die vorhandenen Vermögensgegenstände, insbesondere für Rechenzentrum und Immobilien, entwickeln. Wie klein das Team im Vergleich zu den derzeit rund 140 Mitarbeitern werden soll, wurde nicht mitgeteilt. Allerdings rechnet Combots im ersten Quartal 2008 mit von 2,4 auf 0,9 Millionen Euro deutlich gesenkten Personalkosten. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht vorgesehen, heißt es bei dpa.

Für das Gesamtjahr 2008 rechnet Combots dank der United-Internet-Beteiligung mit einem positiven Ergebnis von 1 bis 2 Millionen Euro. Der gestiegene Wert des dicken Aktienpakets von United Internet, das die AG seit dem Verkauf des Portals Web.de an die 1&1-Mutter hält, sorgt immerhin für eine solide Finanzbasis. Zum Stichtag 30. September verfügte das Unternehmen über liquide Mittel (einschließlich handelbarer Wertpapiere) von immerhin 510 Millionen Euro. Allerdings will Combots auch ergebnisoffen prüfen, "inwieweit die Kapitalausstattung und auch die Kapitalmarktstrategie insgesamt an den zukünftigen Geschäftsumfang anzupassen sind". (vbr)