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Comdex abgesagt

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Die Computer Dealers Exhibition, allgemein als Comdex bekannt, wird nicht wie üblich im November in Las Vegas stattfinden. MediaLive International, der gegenwärtige Eigentümer der Comdex, gab die Entscheidung bekannt, in diesem Jahr die Messe zu stornieren. Gleichzeitig wurde versichert, dass im Jahre 2005 eine neu fokussierte Comdex stattfinden wird. "Wir hätten mit Sicherheit wieder eine profitable Comdex in diesem Jahr veranstalten können", erklärte Robert Priest-Heck, CEO von MediaLive in einer Mitteilung, " doch wäre dies nicht im Sinne der Branche, wenn die breite Unterstützung der größten Vertreter der IT fehlt." Messe-Experten deuten diesen Satz als Hinweis darauf, dass nach IBM und vielen andern auch Microsoft den Sinn der Comdex anzweifelte.

Bereits die letzte Comdex hing am Tropf von Microsoft, das den weitaus größten Teil der Messefläche gemietet hatte. Bei Microsoft zeigte man sich auch verärgert über die Veranstalter: Um freie Flächen zu vermeiden, hatten diese "Pavillons" rund um Themen wie Open Source oder Computersicherheit/Kryptographie kreiert, auf denen sich freie Projekte und kleine Firmen kostenlos präsentieren konnten. Außerdem gab es einen Besucher- und Standtausch mit der parallel zur Comdex stattfindenden Apachecon. Dieses Programmierer-Treffen findet ungeachtet der Absage der Comdex statt, wohingegen die direkt gegen die Comdex gegründete CDXPO von Jupitermedia schon bei laufender Ausstellung dahinschied. Erboste Mitarbeiter von Hewlett-Packard und Siemens bauten schon am zweiten Tag der vergangenen CDXPO die Stände ab, und bekamen so nicht den Höhepunkt mit, als SCO-Chef Darl McBride den seiner Behauptung nach von Linux-Programmierern gestohlenen Code auf Papier zeigte.

Als West Coast Computer Faire gegründet, kam die Comdex im Jahre 1979 nach Las Vegas. Sheldon Adelson, ein im Auftrag der Mafia arbeitender "Business Developer", erkannte die Chance, mit Hilfe einer Computermesse mit einigermaßen unkonventionellen Besuchern die Spielerstadt Las Vegas als Messestadt zu positionieren. Seine Interface Group baute die Veranstaltung kontinuierlich aus, von 4000 Besuchern im Jahre 1979 zu 110.000 anno 1989 und 207.000 im Jahre 1995. Danach bröckelten die Besucher wie Ausstellerzahlen ab, die Messe war einfach zu groß geworden und auf dem Weg, zu einer Legende zu werden. Sheldon Adelson, der mit der Comdex reich wurde, das riesige Sands Convention Center baute und der Stadt schenkte, verkaufte seine Veranstaltung an die japanische Softbank. Diese veräußerte das kriselnde Geschäft bald an das Dotcom-Startup Key3Media, das unglücklich startete: Durch die Terroranschläge des 11. Septembers wurde die Comdex so schwer getroffen, dass sie sich praktisch nicht mehr erholte.

Der größte Fan der Comdex war Bill Gates. Er hielt seine erste Keynote im Jahre 1983, wobei der Vater noch den Diaprojektor bediente. Seit 1994 gehörte es zu den vertraglich abgesicherten Rechten von Microsoft, mit Bill Gates am Vorabend der Messe die Eröffnung zu gestalten. Seitdem Gates die ebenfalls in Las Vegas stattfindende Consumer Electronics Show (CES) eröffnen kann, ist auch dieser Grund für eine Comdex hinfällig. Die CES ist mit ihrer Mischung aus Show, Unterhaltungselektronik und Computertechnik der legitime Erbe der Comdex. Die typischen Computer Dealer, für die die Comdex dereinst gegründet wurde, auf dass sie sich ein Bild der kommenden Trends machen können, werden die CES nicht besuchen. Sie verschwanden schon vor dem Ende der Comdex von der Bildfläche.

Zur Entwicklung der Comdex siehe auch: (jk)

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