Menü

Compaq-Chef: Die PC-Industrie wird zur Old Economy

vorlesen Drucken Kommentare lesen 19 Beiträge

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel äußert sich Compaq-Chef Michael Capellas pessimistisch über die Perspektiven des PC-Geschäfts. Stattdessen singt der exaltierte Manager, der sich für die US-Wirtschaftspresse gerne in der Pose eines Rockstars ablichten lässt ("Ich bin der Cheerleader"), das hohe Lied der drahtlosen Vernetzung.

Es müsse darum gehen, erklärte Capellas den Spiegel-Redakteuren, "eine völlig neue Generation von Internet-Zugangsgeräten zu entwickeln" – teils drahtlos, teils für ganz spezielle Anforderungen. Ein erster Schritt hierzu sei der iPaq, "kaum größer als eine Handfläche, aber beinahe so leistungsfähig wie ein PC".

Zuletzt hatte Capellas auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, für das Compaq und Microsoft die Infrastruktur und die Pocket-PCs für die drahtlose Kommunikation unter den Teilnehmern lieferten, den Handhelds einen europäischen Jahresumsatz 2001 von etwa 500 Millionen US-Dollar prognostiziert. In seiner Wireless-Network-Euphorie hat der Compaq-Chef sogar seine heimische Stereoanlage verschrottet – sie wird ersetzt durch den Prototyp einer "drahtlosen Jukebox, die nur so groß ist wie ein Blatt Papier, mit 2100 Songs, die ich aus dem Netz heruntergeladen habe". Ob der Compaq-Vortänzer ein schwerer Napster-User ist, verrät er allerdings nicht.

Für das nächste Halbjahr erwartet Capellas für seinen Konzern ein Umsatzplus von lediglich fünf Prozent – im ersten Quartal 2001 sogar ein "Nullwachstum". Auf die Frage, ob man mit einem PC überhaupt noch Geld verdienen könne, erklärte Capellas, dies werde immer schwieriger: "Die klassische PC-Industrie wird allmählich zur 'Old Economy' der Informationstechnologie, zur Geschichte von gestern. Unsere Aufgabe wird künftig nicht darin bestehen, den Leuten nur irgendwelche klobigen Kisten auf den Tisch zu stellen". (wst)