Menü

Computer-Analyse: Nur gut die Hälfte von "Henry VIII." stammt von Shakespeare

Ein Maschinenlern-Algorithmus hat die Sprache in Henry VIII. analysiert – und verrät, welche Teile des Stücks von welchem Autor geschrieben wurden.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 26 Beiträge

Was ist von wem?

Von

Dass William Shakespeare das unter seinem Namen veröffentlichte Stück "Henry VIII." nicht komplett selbst geschrieben hat, vermutete schon 1850 der Literaturanalyst James Spedding. Unklar blieb aber lange Zeit, welche Teile von Shakespeare selbst und welche von seinem Kollegen John Fletcher stammten, dessen Stil Spedding in dem Drama entdeckt hatte. Eine Maschinenlern-Analyse eines tschechischen Forschers soll diese Frage jetzt geklärt haben, berichtet Technology Review online in "Wer das Shakespeare-Drama wirklich schrieb".

Petr Plecháč von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften ist es nach eigenen Angaben gelungen, mehr oder weniger jede Zeile des Stücks einem Autor zuzuordnen. Sein Ansatz war im Prinzip ganz einfach. Maschinenlern-Algorithmen werden schon seit Jahren eingesetzt, um spezifische Muster in der Schreibweise von Autoren zu erkennen. Dazu wird der Algorithmus mit dem Großteil des Werks eines Autors trainiert und mit einem kleineren Ausschnitt daraus getestet. Wenn der Algorithmus den Stil auf die am häufigsten verwendeten Worte und rhythmischen Muster analysiert hat, kann er ihn auch in Texten erkennen, die er zuvor nicht gesehen hat. Mit genau diesem Verfahren arbeitete auch Plecháč.

Die Ergebnisse stimmen tendenziell mit der Analyse von Spedding überein, laut der Fletcher Szenen geschrieben hat, die fast die Hälfte des Stücks ausmachen. Allerdings lieferte der Algorithmus eine feinkörnigere Analyse, die zeigte, dass der Autor manchmal nicht erst bei neuen Szenen wechselt, sondern schon zum Ende der vorigen hin. Für die zweite Szene des dritten Aktes zum Beispiel sieht der Algorithmus ab Zeile 2081 beide Autoren am Werk und ab Zeile 2200, vor dem Beginn der nächsten Szene, Shakespeare alleine. Belege für die Beteiligung eines von manchen vermuteten dritten Autors fanden sich jedoch nicht.

Mehr dazu bei Technology Review online:

(sma)