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Computer-Spiel entfacht Glaubensdiskussionen

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Das vor einigen Wochen in den USA erschienene Computer-Spiel Left Behind: Eternal Forces erregt in den USA die Gemüter. Das Spiel fußt auf den insgesamt zwölf Romanen der US-amerikanischen Schriftsteller Jerry B. Jenkins und Tim LaHaye, die sich mit einem nahenden Ende der Welt befassen. In Anlehnung an die Romanvorlage haben die Spieler bei Left Behind: Eternal Forces dafür zu sorgen, dass die Welt nicht in die Hände des Teufels fällt. In einem fiktiv-apokalyptischen New York muss der Spieler dazu Ungläubige bekehren.

Wer bei Left Behind: Eternal Forces nun eine Bekehrung in Form einer gemütlichen Bibelrunde bei einer Tasse Hagebuttentee vermutet, liegt gehörig daneben: In dem Spiel wird schneller und wirkungsvoller missioniert – und das erreicht man dort auch mit Gewalt. Ungläubige, die sich nicht zum Christentum bekehren lassen, werden eben getötet. Was zunächst gar nicht in ein ethisch-moralisches Gesamtbild passen will, wird bei Left Behind souverän in die Spielidee integriert: Im Anschluss an das Töten muss der Spieler durch Beten seine eigenen "Glaubenspunkte" zunächst wieder aufladen, bevor er weitere Ungläubige "überzeugen" kann.

In den USA hat das Spiel nunmehr eine hitzige Diskussion zwischen Gläubigen und liberalen Gesellschaftskreisen sowie gemäßigten Christen entfacht. Kritiker bemängeln, dass das Spiel die Intoleranz gegenüber Andersgläubigen schüre. Die Organisation Campaign to Defend the Constitution (Defcon) hatte jüngst versucht, die Supermarktkette Wal-Mart dazu zu bewegen, das Spiel nicht mehr zu verkaufen.

Die Macher des Spiels weisen die Vorwürfe indes zurück: Die Behauptungen einiger Journalisten und Kritiker, dass man in dem Spiel im Namen Gottes töten müsse, seien falsch. Das Spiel spiegele vielmehr den klassischen Kampf zwischen Gut und Böse wider, bei dem kein Blut fließe. Ebenfalls würden keine Gewalttätigkeiten oder der Tod bildlich dargestellt. Left Behind sei ein Strategiespiel, das sich um eine fiktive Geschichte drehe und handele nicht von der Bibel. Weiter heißt es, dass man Kritiker fragen sollte, ob sie das Spiel jemals selbst gespielt hätten oder ob sie sich nur auf mögliche Fehlinformationen beziehen. (spo)