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Technology Review

Computer analysieren Krankenakten

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In den USA flossen bereits Milliarden in Projekte zur Einführung elektronischer Krankenakten. Die Versorgungsqualität hat sich dadurch allerdings noch nicht wie erwartet erhöht. Eines der Probleme: Die Daten lassen sich bislang nur schwer automatisiert analysieren, um Problemen im Gesundheitssystem auf die Spur zu kommen.

Eine neue Studie zeigt nun, dass Verfahren aus dem Bereich der Erkennung natürlicher Sprache, der so genannten Computerlinguistik, beim Verarbeiten von Patienteninformationen helfen könnten, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Dabei nahmen sich US-Forscher jenen Bereich vor, der bislang als besonders komplex galt: den Teil der Krankenakte, in dem Ärzte ihre medizinischen Notizen hinterlassen.

Bei der Untersuchung, die von dem Medizindozenten Harvey Murff an der Vanderbilt University durchgeführt wurde, ging es spezifisch um Material, das Chirurgen zu möglichen Komplikationen nach Operationen in die Akten eintrugen. Um ihre Datenbank zu füttern, analysierten die Forscher fast 3000 anonymisierte Krankenakten von Patienten, die in sechs Krankenhäusern der US-Armee operiert wurden.

Dabei ging es um Komplikationen wie Lungenentzündung, Sepsis, Venenthrombose, Lungenembolie und Herzinfarkt. Vermehrte Probleme nach Operationen können ein Zeichen dafür sein, dass eine Einrichtung grundlegende Sicherheitsregeln nicht scharf genug überwacht. Allerdings fallen solche Probleme bislang oft nur dann auf, wenn von Hand nachkontrolliert wird. "Wir wollten nachahmen, was ein menschlicher Fachmann tun würde und diesen Prozess dann hochskalieren – und das so effizient wie möglich", sagt Murff.

Ihr fertiges System ist erstaunlich treffsicher: Die Software konnte zwischen 80 und 90 Prozent aller Komplikationen in den Akten ebenso gut erkennen wie ein Mensch. Andere automatisierte Verfahren, die beispielsweise auf dem Auslesen von Abrechnungscodes basieren, waren deutlich ungenauer. Während Murffs System beispielsweise bis zu 82 Prozent aller Fälle von Nierenversagen erkannte, klappte das über Abrechnungscodes nur in 38 Prozent der Fälle.

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(bsc)

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