Computer- und Internetindustrie steht größtenteils hinter Barack Obama

Google-Chef Eric Schmidt will diese Woche dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten beim Wahlkampf helfen, aber auch insgesamt fließt das Wahlkampfgeld von Computerfirmen hauptsächlich an den Afroamerikaner.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 155 Beiträge
Von

Barack Obama kann sich nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. Große US-Zeitungen wie die Washington Post, die Los Angeles Times und die Chicago Tribune haben sich in ihren traditionellen Wahlempfehlungen für den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten ausgesprochen. Am Wochenende erhielt der noch nicht einmal 50-Jährige einen Ritterschlag durch Colin Powell, dem früheren Außenminister der republikanischen Bush-Regierung. "Wir brauchen einen Präsidenten, der einen Generationenwechsel darstellt", betonte der Ex-General und langjährige Freund von Obamas Konkurrenten, dem Republikaner John McCain. In dieser Woche will Google-Chef Eric Schmidt offiziell seinen Hut für Obama in den Ring werfen.

Schmidt stand dem Hoffnungsträger der Demokraten bereits als Berater in Wirtschafts- und Energieragen zur Seite. Der 53-jährige Manager wird nun laut Wall Street Journal am Dienstag einen Wahlkampftermin gemeinsam mit Obama absolvieren und über die Finanzkrise sowie mögliche neue Arbeitsplätze im Bereich "Green IT" sprechen. Schmidt betonte, dass er rein persönlich für den Demokraten eintrete und der Suchmaschinengigant sich offiziell "neutral" gebe. Schon vergangene Woche hatte aber auch Googles Internet-Evangelist Vint Cerf auf YouTube, der Videoplattform des Netzkonzerns, eine Wahlempfehlung für Obama abgegeben. Darin lobte der Internetpionier vor allem dessen Befürwortung des Prinzips der Netzneutralität und einer offenen Datenautobahn. Cerf fordert seit Jahren, dass Telcos für Internetfirmen wie Google, Yahoo, eBay, oder Amazon keine gesonderten Mauthäuschen aufstellen und nicht über den Datenverkehr der Internet-Inhaltsanbieter bestimmen dürfen.

Glaubt man dem Center for Responsive Politics haben Google-Mitarbeiter insgesamt knapp eine Million US-Dollar im Präsidentschaftswahlkampf 2008 gespendet, wovon der Löwenanteil in Höhe von 82 Prozent an die Demokraten ging. Insgesamt hat die Computer- und Internetbranche mit 17 Millionen US-Dollar den Schwarzamerikaner und "nur" mit zehn Millionen US-Dollar seinen republikanischen Gegner unterstützt. Zu den größten Sponsoren gehören neben Google Microsoft (insgesamt 2,3 Millionen US-Dollar) und Cisco Systems (etwas über eine Million US-Dollar), von denen aus jeweils knapp 70 Prozent der Spendengelder an Obama flossen. IBM liegt mit einer ähnlichen Aufteilung und 705.530 US-Dollar auf dem vierten Platz, gefolgt von Intel. Angestellte des Chipherstellers zückten aber nur zu 52 Prozent ihre Geldbörse für die Demokraten.

Management und Firmengründer verhalten sich der Statistik zufolge oft anders als die Belegschaft. Microsofts Bill Gates etwa hatte bis Mai ausgeglichen jeweils 2300 US-Dollar an Obamas Lager sowie an das seiner früheren Herausforderin in den eigenen Reihen, Hillary Clinton, überwiesen. Die gleiche Summe ließ Cisco-Chef John Chambers McCain zukommen. Zusammen mit der früheren eBay-Chefin Meg Whitman und der bei Hewlett-Packard in Ungnade gefallenen Carly Fiorina war Chambers an der Ausarbeitung der netzpolitischen Leitlinien des Republikaners beteiligt. Marc Andreessen, Mitgründer der Browserfirma Netscape, hatte bis zum Frühjahr 4600 US-Dollar für Obama übrig. Die großen US-Telcos AT&T und Verizon sind dagegen für McCain und bauten ihm obendrein über Geldgeschenke hinaus kostenlos einen Sendemast für besseren Mobilfunkempfang in die Nähe seiner Ranch in Arizona.

Wirklich die Kasse klingeln lassen bei Obama aber Kleinspenden von durchschnittlich unter 100 US-Dollar. Sie kommen vor allem über seine Webseite. Noch bevor der Besucher dort auf den Nachrichtenüberblick gelangt, baut sich vor ihm eine Maske zum Geldabdrücken auf. Unübersehbar prangt der "Donate"-Knopf auch an vielen anderen Ecken des Webauftritts. Über diese virtuelle Gelddruckmaschine und ergänzende Spendenaufforderungen etwa per E-Mail hat die Obama-Kampagne allein im September 150 Millionen US-Dollar eingespielt und damit den bisherigen Rekord vom August mit 67 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt.

Insgesamt haben bisher 3,1 Millionen Bürger Obama einen Obolus zukommen lassen und seine Wahlkampfmittel auf 575 Millionen US-Dollar hochgetrieben. Für den Demokraten zahlt es sich so aus, dass er im Gegensatz zu McCain auf staatliche Gelder für Werbung verzichtete. Die Einnahmen kann er jetzt im Endspurt vor dem 4. November für Auftritte und Debatten, unzählige Fernsehspots und erstmals auch Anzeigen in Computerspielen verbraten, während sein auch nicht gerade armer Konkurrent im September fast schon bescheidene 32,3 Millionen öffentlicher Mittel für die eigene Kampagne ausgab. Momentan kommen auf einen Fernsehspot McCains drei von Obama.

Mit zu Plattformen, die an Bedeutung gewinnen, gehört YouTube. Große Hits mit millionenfachen Klicks sind dort etwa Parodien von McCains viel gescholtener Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, gespielt von der Komödiantin Tina Fey in Saturday Night Live (SNL). Kultstatuts genießt ein Ulk-Beitrag, in dem Palin-Fey in einem gemeinsamen Auftritt mit der vermeintlichen Clinton einräumt, mit dem Begriff "Bush-Doktrin" nicht einmal etwas anfangen zu können. Ein weiteres SNL-Video, in dem die falsche Palin ihren von Jason Sudeikis gespielten Kontrahenten Joe Biden etwa über ihre Aussicht auf Russland von ihrem Haus in Alaska aus aufklärt, versucht der SNL ausstrahlende Sender NBC aus YouTube herauszuhalten und den Verkehr auf seine eigene Site umzulenken. Fast blass erschien dagegen der Showdown am vergangenen Wochenende, als die Landeschefin Alaskas tatsächlich in der Show kurz auf ihre Nachahmerin stieß. Statt witzig zu ihrem Image der naiven Sauberfrau zu stehen oder dieses geschickt zu konterkarieren, beließ es Palin bei einer Kritik der ironischen Beiträge und schaute schweigend ihrer weiteren Demontage zu.

Der US-Sender Public Broadcasting Service (PBS) hat YouTube auch auserkoren, um etwaige Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe sowie den Wahlvorgang an sich zu dokumentieren. Dafür haben beide Unternehmen unter dem Aufhänger Video Your Vote einen eigenen Kanal auf der Plattform ins Leben gerufen, auf der Nutzer über ihre Erfahrungen vor Ort berichten sollen. Ziel soll es etwa sein, Schwachstellen und Sicherheitslücken im Wahlkonzept sowie bei den zur Stimmabgabe genutzten Maschinen aufzuzeigen. Die Initiatoren der Aktion weisen darauf hin, dass einige US-Bundesstaaten Videoaufnahmen in Wahllokalen nicht gestatten. McCain will derweil mit Auftritten in Talkshows und der Darstellung Obamas als Sozialisten, der Steuern erhöhen wolle, noch das Ruder herumreißen und Rennen spannend halten. Tatsächlich haben sich die Meinungsumfragen am Wochenende wieder ein wenig in seine Richtung bewegt.

Siehe dazu auch:

(Stefan Krempl) / (jk)