Menü

Computerpionier Bob Bemer gestorben

vorlesen Drucken Kommentare lesen 230 Beiträge

Am Ende wurde auch für ihn die große Escape-Taste gedrückt: Im Alter von 84 Jahren verstarb vorgestern Bob Bemer, der die Computerwelt mit höchst unterschiedlichen Beiträgen bereicherte. So gilt Bemer als der "Vater von ASCII" beziehungsweise des 8-Bit-Standards und als der Erfinder der ESC-Taste und des \. Bereits im Jahre 1971 warnte der IBM-Mitarbeiter Bemer als einer der ersten Computerwissenschaftler vor dem Y2K-Problem. Schließlich wird er auch als Mitentwickler der Programmiersprache Cobol geführt, weil er mit Comtran einen wichtigen Cobol-Vorläufer entwickelte. In diesem Zusammenhang prägte Bemer die Begriffe "Codasyl" und "Software Factory". Manche Publikationen führen ihn auch als Erfinder des Hyperlinking, was Bemer selbst etwas weit hergeholt fand.

Robert William Bemer wurde am 8. Februar 1920 in Sault Sainte Marie im US-Bundesstaat Michigan geboren. Nach einem Ingenieursstudium mit dem Abschluss in "Aeronautics Engineering" ging Bemer zum Flugzeugbauer Douglas, wo er als Konstrukteur arbeitete. Die nächste längere Anstellung fand Bemer bei Lockheed, wo er von 1952 bis 1957 an der mathematischen Analyse von Tragflächen und Strömungsprofilen forschte. Von 1957 bis 1965 arbeitete Bemer bei IBM, wo er schließlich für alle Programmierstandards verantwortlich war und in diesem Zusammenhang den ASCII-Standard mit entwickelte.

Als Mormone stellte sich Bemer in den Dienst seiner Kirche, als diese 1958 begann, ihre umfangreiche geneaologische Datensammlungen zu computerisieren. Hier erkannte Bemer bei der Arbeit am International Genealogical Index die grundsätzliche Problematik von zweistelligen Datumsangaben wie "58", aus der seine Warnungen vor dem Jahr-2000-Problem resultierten. Von 1965 bis 1970 arbeitete Bemer bei Bull in Paris, danach organisierte er bei General Electric vier Jahre lang die Software-Abteilungen nach der Idee der Software Factory um. Von 1974 bis 1990 war er als freier Berater bei Honeywell tätig. Als Rentier gründete er schließlich 1997 die Firmen BMRSoftware (Bob Bemer Software) und BigiSoft, die Lösungen für das Y2K-Problem verkauften. Bis kurz vor seinem Tode soll Bemer täglich am PC gearbeitet haben. Er starb nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs am 22. Juni. (Detlef Borchers) / (jk)