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Computerspielfans protestieren gegen ARD-Fernsehbeitrag

Hoch her geht es seit einigen Tagen in der Computerspiel-Szene, nachdem das ARD-Politmagazin Panorama sich in einem Beitrag mit Computerspielen allgemein und so genannten "Killerspielen" im Speziellen beschäftigt hat – und das auf eine Art, die Computerspieler heftigst erboste und kritische Beobachter zumindest befremdete. Anhänger des Computerspiels Call of Duty fühlen sich nun besonders diffamiert. Nach dem vergangene Woche Donnerstag in Panorama ausgestrahlten Beitrag "Morden und Foltern als Freizeitspaß – Killerspiele im Internet" (PDF-Datei) sehen sie sich veranlasst, den Deutschen Presserat auf angebliche Verstöße gegen den Pressekodex hinzuweisen. In einem weiteren Schreiben wollen sie den Programm-Direktor der ARD Günter Struve auffordern, künftig keine derartige Berichterstattung mehr zuzulassen. Das geht aus Beiträgen aus Foren des "ESport Gaming Network" hervor.

Für den Panorama-Bericht sei nicht sorgfältig recherchiert worden, heißt es in dem Entwurf für eine Beschwerde beim Presserat, der noch in dem dazugehörigen Forum diskutiert wird. Einige Aussagen in dem Bericht entsprächen nicht der Wahrheit und ergäben ein "vollkommen falsches Bild einer Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Hobby teilen". Die Spieler-Community fühle sich in ihrer Würde verletzt, da sie durch die Ausdrucksweise mit Nazis und Vergewaltigern auf eine Stufe gesetzt werde.

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Es seien verschiedene Spielegenre miteinander vermischt und auf eine Stufe gestellt worden, lautet einer der weiteren Vorwürfe. In dem Beitrag sei eine Modifikation für das Spiel Grand Theft Auto San Andreas gezeigt worden, bei der es angeblich darum gehe, möglichst viele Vergewaltigungen zu begehen, um Punkte zu erzielen. In dem Schreiben an den Presserat wird die Aussage als komplett falsch bezeichnet: Es gebe eine Modifikation namens "Hot Coffee", die in dem Beitrag auch als Grundlage verwendet worden sei und virtuellen Sexualverkehr zeigt. Dieser werde in dem Beitrag fälschlicherweise als "Vergewaltigung" bezeichnet.

Kurz nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags hat es bereits eine rege Diskussion im Internetforum des Politmagazins gegeben. Daraufhin bezog die Panorama-Redaktion Stellung und erläuterte, es gehe nicht darum, Computerspiele zu verunglimpfen oder ein generelles Verbot zu fordern. Aus der Sicht der Spielefans hat die Redaktion auf die Kritik nur ungenügend reagiert, weshalb sie sich zu der Beschwerde beim Presserat und beim Programmdirektor veranlasst sahen. (anw)

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