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ConHIT: elektronische Patientenakte ist Königsdisziplin

Vor 10 Jahren gestartet, hat sich die Messe für medizinische IT zur europäischen Leitmesse entwickelt. Zum Jubiläum wurde viel über die elektronische Patientenakte diskutiert.

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ConHIT: elektronische Patientenakte ist Königsdisziplin

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)

(Bild: Detlef Borchers)

Für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ist die elektronische Patientenakte die "Königsdisziplin" bei der Einführung der medizinischen Telematik in Deutschland. Es ginge nicht mehr an, dass der Patient als Datenträger missbraucht werde, wenn er Befunde in braunen Umschlägen von Arzt zu Arzt trage, sagte Gröhe auf der Medizin-IT-Messe ConHIT.

Für die nächste Legistlaturperiode kündigte er an, weiter für Tempo bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zu sorgen. Ist die nötige Umsetzungsgeschwindigkeit erreicht, würden auch die Privaten Krankenkassen (PKV) wieder mit dabei sein, erklärte Gröhe. Bis Ende 2017 will das Bundesgesundheitsministerium die elektronische Patientenakte soweit spezifiziert haben, dass Anbieter von Patientenakten ihre Konzepte vorstellen können.

Vor der Eröffnung der Messe durch den Minister hatten bereits Vertreter und Vertreterinnen der etablierten Parteien mit Ausnahme der nicht anwesenden Linken in der Vorwegnahme des Wahlkampfes verkündet, sich für die Digitialisierung des Gesundheitswesens stark zu machen. Die Grünen forderten ein Patientenportal, in dem der Patient Herr seiner Daten ist. Die CDU will die Versorgungsforschung mit Hilfe von Big Data verbessern. Der in einem Gutachten der Bertelsmann-Stiftung vorgelegte Plan, die Patientenakte durch ein eigenes Bundesinstitut entwickeln zu lassen, fand allgemeine Zustimmung. Auch 59 Prozent der Zuhörer der Diskussionrunde stimmten für die Einrichtung eines solchen Institutes, das die Projektgesellschaft Gematik entlasten soll.

Diese für den Aufbau der telemedizinischen Infrastruktur verantwortliche Gesellschaft zeigte auf der ConHIT erstmals Vesta in einer Beta-Version, das Interoperabilitätsverzeichnis medzinischer IT-Schnittstellen, das nach den Vorgaben des eHealth-Gesetzes bis zum Juni 2017 online gehen muss. Das öffentliche Verzeichnis soll "technische und semantische Standards, Profile und Leitfäden" enthalten und die Hersteller von Medizin-IT zum gemeinsamen Vorgehen ertüchtigen.

Als Vorbild der Zusammenarbeit wurde in einer weiteren Diskussionsrunde der bundeseinheitliche Medikationsplan (PDF-Datei) gefeiert. Dieser wird derzeit ausgedruckt allen Patienten mitgegeben, die mehr als drei Medikamente einnehmen müssen. Zum 1. Mai müssen Ärzte in der Lage sein, die Daten über den Barcode wieder in die IT einlesen und weiterverarbeiten zu können. 2019 soll der Plan dann auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. In seiner elektronischen Form soll der Plan nach Angaben der Gematik wesentlich umfangreicher ausfallen und auch Daten über abgesetzte Medikamente enthalten, die Hinweise zu Unverträglichkeiten enthalten können. (Detlef Borchers) / (kbe)

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