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Content-Klau: Bild verklagt Focus Online

Der Axel-Springer-Verlag wirft dem Konkurrenten systematischen Content-Klau vor. Um die gekennzeichneten Zitate als illegal zu brandmarken, führt Bild einen Verstoß gegen das Datenbankrecht an.

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Mathias Döpfner

Während die Chefs von Axel Springer und Burda gemeinsam auf der Internetkonferenz DLD über Fake-News referierten, arbeiten die Rechtsabteilungen der Unternehmen gegeneinander. Nach lange schwelendem Streit hat das Springer-Blatt "Bild" Klage gegen die Konkurrenz aus dem Hause Burda eingereicht. Der Vorwurf: Focus Online habe über Jahre die Artikel abgeschrieben, die Axel Springer exklusiv für zahlende Kunden seines Bezahl-Angebots BILDplus zugänglich mache.

Dass sich die Münchner Redaktion tatsächlich häufig bei der Konkurrenz bedient, ist kein Geheimnis. So versucht Bild Online heute mit den geheimen Zahlen aus dem Dschungelcamp zahlende Kunden zu gewinnen – bei Focus Online stehen die Zahlen jedoch kostenfrei bereit. Woher die Zahlen stammen, ist auch kein Geheimnis: Gleich zwei Mal verweist Focus Online in dem Artikel auf die Quelle "Bild", die Original-Geschichte ist sogar verlinkt.

Was im Einzelfall ein zulässiges Zitat wäre – es gibt kein Urheberrecht auf Fakten – ist jedoch in der Masse schon lange ein Zankapfel zwischen den Verlagen. Schon 2014 hatte Bild Online-Chef Julian Reichelt die Konkurrenz öffentlich und rüde attackiert. So nannte Reichel den Chefredakteur von Focus Online zum Beispiel einen "digitalen Hühnerdieb". Der Chefredakteur von Focus Online erklärte hingegen, dass Exklusivität für sein Geschäftsmodell kaum eine Rolle spiele. "In der digitalen Welt ist die Exklusivität nach genau einer Sekunde weg", sagte Daniel Steil dem Branchenportal Meedia.

Da sich die Münchner jedoch das Zitatrecht zu nutze machte, schreckte Axel Springer bisher vor einer Klage zurück. Diese Hürde glauben die Juristen des Verlagskonzerns nun überwunden zu haben. Laut eigenen Angaben hat "Bild" über mehrere Monate die eigenen kostenpflichtigen "BILDplus-Artikel" mit den kostenlosen Inhalten von Focus Online abgeglichen. Das Ergebnis soll zeigen, dass Focus Online systematisch und oft unmittelbar nach der Veröffentlichung die Geschichten der Konkurrenz übernimmt. "Mit diesem Verhalten greift Focus Online das Geschäftsmodell einer ganzen Branche an – dagegen müssen wir uns wehren“, begründet Reichelt die Klage.

Entscheidendes Argument für die Klage ist die Regelmäßigkeit, mit der Focus Online exklusive Inhalte vom Konkurrenten übernimmt. Dieses Verhalten stellt für Axel Springer zum einen eine gezielte Behinderung des Geschäftsmodells von "BildPlus" dar, da Leser abgehalten werden für die Recherchen zu zahlen, wenn sie das Ergebnis woanders kostenlos bekommen. Zum anderen führen die Juristen eine Verletzung des Datenbankrechtes an.

Hierzu soll offenbar nicht das Urheberrecht an einzelnen Artikeln, sondern die Sammlung von BildPlus-Artikeln als solche als schützenswertes Werk definiert werden. Mit ähnlichen Argumenten war Axel Springer gegen den Adblocker-Hersteller Eyeo vorgegangen und hatte vor dem Oberlandesgericht Köln Recht bekommen. Auch diesmal klagt der Verlag in Köln – zunächst aber vor dem Landgericht.

Unterdessen weitet Burda sein Geschäftsmodell aus, mit möglichst billig produzierten Inhalten möglichst große Reichweiten zu erzielen. So hat der Verlag im Dezember in München eine neue Zentrale für 500 Mitarbeiter eröffnet, die unter anderem die Angebote Focus Online, Huffington Post und Chip befüllen. Eine neue 23köpfige Lokalredaktion soll bundesweit regionale Nachrichten vermarkten und dabei insbesondere kostenlose Inhalte wie Polizeimeldungen oder Leserartikel verwerten. (Torsten Kleinz) / (axk)

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