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Copy, Shake & Paste [Update]

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Ob Wikipedia-Einträge, Google-Ergebnisse oder wissenschaftliche Arbeiten, die korrekten Zitierungs- und Referenzierungsregeln werden immer öfter missachtet. So schreiben Autoren von Wikipedia-Artikeln mitunter ganze Passagen aus Lehrbüchern ab oder geben die Originalautoren nicht oder nur unzureichend an. Die Schätzungen darüber, bei wie vielen Diplom- oder Doktorarbeiten nur noch die Einleitung und das Schlusswort selbst geschrieben sind, schwanken zwischen 15 und 50 Prozent -- der Rest entsteht durch Copy, Shake & Paste. Als besonders schwierig zu erkennen erweist sich dabei der Textklau durch das Einscannen gedruckter Originalarbeiten und der anschließenden automatischen Schrifterkennung (OCR).

Die Zunahme von Plagiatsfällen ist vor allem deshalb bedenklich, weil viele Nutzer inzwischen Wikipedia oder Google für vertrauenswürdiger oder zumindest aktueller halten als gedruckte Quellen. Der Glaube an eine automatische Fehlerkorrektur durch den kollektiven Review ist jedoch trügerisch, da die Autoren der Originaltexte meist weder genügend Zeit noch Lust haben, das Netz nach etwaigen Plagiaten zu durchforsten und dann auch noch korrigierend einzugreifen. Experten fordern deshalb, den Netzplagiarismus weit stärker als bisher zum Thema von Lehrveranstaltungen und einer öffentlichen Diskussion zu machen, um die Wissenskultur nicht unbemerkt verkommen zu lassen.

[Update]
Das Wikipedia-Team nahm mittlerweile Stellung zu den Vorwürfen im Telepolis-Artikel von Stefan Weber. Kurz nach Erscheinen sei bezüglich des beanstandeten Wikipedia-Eintrags über "Journalismustheorie" das übliche Verfahren wegen möglicher Urheberrechtsverletzung eingeleitet worden. Man achte mit größtmöglicher Sorgfalt auf die Einhaltung der Urheberrechte, könne aber derartige Fälle leider nie ganz ausschließen. Es sei überdies für die Originalautoren nicht notwendig, in die Texte selbst einzugreifen. Eine E-Mail oder ein Beitrag im Diskussionsforum reiche aus, um die Probleme abzustellen. Außerdem sei die Übernahme von Texten aus gedruckten Quellen kein Wikipedia-spezifisches Problem und auch den Vorwurf eines Informationsmonopols müsse man zurückweisen, da laut Wikipedia hierzulande genügend Alternativen zur Befriedigung des Wissensdurstes zur Verfügung stehen.

Siehe dazu auch in Telepolis: (mhe)

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