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Copyright-Verstöße: Google erhält zu 99,95 Prozent falsche Löschanträge

Die überwältigende Mehrheit der Löschersuchen, die Google über ein spezielles "Vertrauensprogramm" im Januar erhielt, war frei erfunden. Rechteinhaber wollen so mögliche Copyright-Verletzungen im Voraus verhindern.

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Google-Kampagne gegen Leistungsschutzrecht

(Bild: dpa, Martin Gerten)

Der Missbrauch mit Löschbegehren wegen Urheberrechtsverstößen hat gewaltige Ausmaße angenommen. Darauf verweist Google in einer Eingabe an das Copyright Office in Washington, das derzeit ein Studie zu Anträgen auf Basis des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) durchführt. Laut der vom kanadischen Rechtsprofessor Michael Geist veröffentlichten Stellungnahme befanden sich 99,95 Prozent aller Internetadressen, die Google im Januar über sein "Trusted Copyright Removal"-Programm erhielt, gar nicht im Index des Suchmaschinengiganten.

Der aktivste Einsender von Löschanträgen hat demzufolge allein über 16 Millionen URLs gebrandmarkt, von denen 99,97 Prozent bei Google gar nicht gelistet waren. Viele andere Nutzer des "Vertrauensprogramms" standen diesem aber wenig nach. Generell erhält Google immer mehr Ersuchen wegen Urheberrechtsverstößen, allein 2014 war deren Zahl um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf über 345 Millionen gestiegen. Die Kalifornier warnen nun davor, diese Entwicklung als Maßstab für rechtsverletzende Materialien im Internet zu nehmen: Viele der Begehren würden offenbar automatisch generiert, indem ein Algorithmus Begriffe aus einer möglichen Suchanfrage nach potenziell bei "Piraten" beliebten Werkstiteln einer bestehenden Webadresse anfüge.

Der Online-Dienst TorrentFreak hatte zuvor dargelegt, dass im Google-Tranparenzbericht für DMCA-Löschbegehren aktuell nach 4shared.com die bislang wenig bekannte Seite mp3toys.xyz an zweiter Stelle liegt bei der Zahl der beanstandeten URLs. Obwohl das Portal vergleichsweise wenig besucht werde, habe vor allem die brasilianische Anti-Piraterie-Organisation APDIF eine ungewöhnliche Faszination dafür entwickelt und binnen eines halben Jahres knapp 50 Millionen dortiger Webadressen als rechtsverletzend gekennzeichnet. Der Großteil davon sei aber "fake", beziehe sich also auf zufällig erzeugte URLs rund um bestehende Musiktitel, die gegebenenfalls eines Tages auch auf der Plattform auftauchen könnten.

Wie Google ausführt, tauchten in der zweiten Septemberhälfte von 35 Millionen fabrizierten Webadressen weniger als zwei Prozent tatsächlich einmal kurzfristig im Index auf und wurden daraufhin antragsgemäß gleich wieder aus den Suchergebnissen entfernt. Trotz der vergleichsweise geringen "Erfolgsquote" der erfundenen Anträge akzeptieren die Kalifornier diese momentan. Sie wollen damit sicherstellen, dass sich einschlägige URLs nicht eines Tages in künftige Trefferlisten einschleichen. (Stefan Krempl) / (axk)

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