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IFA

Core M: Intel-Prozessor für leichte und lüfterlose Windows-Tablets

So leicht wie ARM-Tablets und so schnell wie Ultrabooks konnte man Windows-Tablets bisher nicht bauen. Nun bringt Intel den dazu fehlenden Prozessor, den Core M – mit Taktraten bis zu 2,6 GHz. Überraschungen gibt es bei den Geräten.

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Intel hat auf der IFA den offiziellen Start des Mobilprozessors Core M gefeiert, zu dem schon viele Details bekannt waren – bis auf die konkreten Modellvarianten inklusive Taktraten, Cache-Größen und TDP-Grenzen. Nun steht fest: Core M schaltet sich im Dauerbetrieb weiter herunter als die Stromspar-Versionen des Core i, erreicht kurzzeitig im Turbomodus aber beachtliche Taktraten. Einige Geräte mit Core M waren auch zu sehen, dazu weiter unten und in den Bilderstrecken mehr.

Drei Modelle gibt es anfangs, alle haben zwei Kerne. Die Topversion 5Y70 – ja, neue Modellbezeichnungen gibt es auch – läuft im Stromsparmodus mit 1,1 GHz und beschleunigt im Turbomodus auf 2,6 GHz. Der mittlere 5Y10a läuft mit 0,8 bis 2 GHz. Beide benötigen eine Kühlleistung von nur 4,5 Watt TDP, und das dritte Modell 5Y10 kommt sogar mit 4 Watt aus bei gleichen Taktraten (0,8 bis 2 GHz). Alle drei haben 4 MByte L3-Cache, VT-Virtualisierung und den Grafikkern HD 5300. Viele Details zum Broadwell-Kern des Core M und auch zur 14-nm-Fertigung hatte Intel schon vor einigen Wochen verraten.

Tablets und Notebooks mit Intel Core M (8 Bilder)

Asus Transformer Book T300FA

Asus hat für sein günstiges Core-M-Tablet die bereits vom TF100 bekannten Mechanik gewählt. Der neue Chip bringt aber deutlich mehr Leistung als der alte Atom. (Bild: asp)

Unklar ist noch, welche Monitore der Grafikkern ansteuert, beziehungsweise konkret, wie er mit 4K-Displays umgeht. In der Präsentation ist davon die Rede, dass sie mit 24 Hz laufen, wie es auch der Vorgänger Haswell-U/Y kann. Mit 60 Hz können nur die Haswell-Versionen ab 35 Watt (M/Q) die Monitore ansteuern, U/Y-Modelle sind auf den MST-Trick angewiesen, einen Monitor als zwei virtuelle mit 1920 × 2160 bei 60 Hz zu behandeln und dann im Grafiktreiber wieder zusammenzufügen.

Das klappt prinzipiell, ist aber mit gewissen Einschränkungen verbunden, beispielsweise beherrschen nur wenige 4K-Monitore diesen Modus. Auf Anfrage von heise online konnte Intel noch nichts dazu sagen; es ist anzunehmen, dass Core M bestenfalls den MST-Modus beherrscht, vielleicht aber auch 4K-Monitore nur mit 30 oder gar 24 Hz ansteuert.

Die Haswell-Y/U können zwar auch per DisplayPort und per HDMI 4K-Monitore mit 30 Hz ansteuern, allerdings muss das auch der Monitor unterstützen. Beispielsweise nimmt der 28-Zöller von Samsung 30-Hz-Signale nur per HDMI an, nicht per DisplayPort.

Acer Aspire Switch 12 (8 Bilder)

Acer Aspire Switch 12

Das Aspire Switch 12 von Acer ist eines der ersten Convertible-Notebooks mit Core M. (Bild: asp)

Zum Geschwindigkeitsvergleich: Die bisher schnellste Stromspar-Version ist der Core i7-4610Y mit 1,7 und im Turbo 2,9 GHz. Er muss dafür mit 11,5 Watt gekühlt werden, während der Core M mit 4,5 Watt auskommt – nur 10 Prozent weniger Performance bei weniger als der Hälfte Abwärme. Deutlicher ist der Unterschied zur Ultrabook-Variante: Dessen schnellster Core i7-4600U läuft schon im Stromsparmodus mit 2,1 GHz und rennt mit maximal 3,3 GHz, bei dann allerdings 15 Watt.

Wie lange Core M die hohe Taktrate hält, konnten wir noch nicht testen. Für flüssiges Arbeiten reichen im Alltag meist schon wenige Sekunden – dann ist die Website gerendert, der Photoshop-Effekt ausgerechnet, die Touch-Geste erkannt und so manches Programm compiliert. Bei Games, Video-Rendering, Raw-Exporten und ähnlichem erreicht Core M allerdings nicht das Leistungsniveau von Ultrabooks oder gar Desktop-PCs.

Nur ganz kurz war das Toshiba Altair zu sehen.

[UPDATE, 5.09.2014, 19:30 Uhr]

Intel zeigte kurz einige neue Modelle mit Core M. Einen kurzen Blick konnten wir aufs Acer Aspire Switch 12 mit 12,5 Zoll großem Full-HD-Display und ungewöhnlicher Bauform werfen. Das Ultrabook hat eine abnehmbare Tastatur, wobei ein Teil des Rumpfs – der mit Prozessor, SSD und der übrigen Elektronik – am Display verbleibt und als Ständer dient. Da die Tastatur somit vorne im Rumpf sitzt, ist kein Platz für ein Touchpad, sondern Acer baut einen Trackpoint mit kleinen Maustasten am vorderen Rand ein.

Im Tablet-Modus zeigt der Rumpf nach hinten und hält das Display. Die Tastatur steckt man dann an. Abgenommen funktionierte die Tastatur nicht, wobei unklar ist, ob sie per Bluetooth angebunden ist, aber nicht geladen (oder im Prototypen nicht funktionsfähig), oder ob sie keine Funktastatur ist, sondern ständig angeschlossen sein muss. Im Tablet-Modus lässt man die Tastatur einfach weg oder steckt sie (mit Tasten nach innen) hinter das Display. Eine ähnliche Konstruktion gibt es beim Toshiba Kira, dort allerdings mit etwas flexiblerem Ständer.

Kurz war auch ein Core-M-Gerät von Toshiba zu sehen, das Altair Pro; Intel-Mitarbeiter räumten es sofort nach der Pressekonferenz wieder ab. Es ist wohl ein besonders flaches Notebook in herkömmlicher Bauweise mit besonders dünnem Display. Intel erwähnte auch das Dell Latitude 13 7000, doch zu sehen war es nicht, der Formulierung nach ist es ein Tablet mit Stecktastatur.

Asus zeigte das Transformer Book T300FA, ein nur 600 Euro teures Tablet mit 12,5-Zoll-Display (1366 × 768) mit ansteckbarer Tastatur. Schon bekannt sind zudem das am Mittwoch gezeigte Zenbook UX305 und das superflache Tablet Transformer Chi T300 von Asus. Auch die gestern vorgestellten HP-Tablets Envy x2 mit 13,3 und 15 Zoll sowie die neue Version des Lenovo Thinkpad Helix zeigte Intel. [Update: in einer älteren Version des Textes hieß es fälschlicherweise, das UX305 solle 600 Euro kosten.]

HP Envy x2 (8 Bilder)

Das HP Envy x2 ist ein Tablet mit eingebautem Ständer und magnetischer Tastatur. Sie muss nicht am Gehäuse hängen, sondern übermittelt Eingaben per Bluetooth ans Tablet. Dem ersten Eindruck nach hat die Tastatur einen angenehmen Anschlag trotz geringen Hubs.

(jow)