Corona-App: Covid-19 anhand von Atemgeräuschen und Husten erkennen

Eine vom Europäischen Forschungsrat geförderte Mobilanwendung soll helfen, die Viruserkrankung anhand des Klangs der Atmung und des Hustens auszumachen.

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(Bild: TheVisualsYouNeed/Shutterstock.com)

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Forscher der Universität Cambridge entwickeln eine Smartphone-App, mit der sich anhand des Klangs der Stimme, der Atmung und des Hustens erkennen lassen soll, ob ein Nutzer an Covid-19 erkrankt ist. Im ersten Schritt wollen die Wissenschaftler Sprach-, Atem- und Hustenproben über das Mikrofon des Mobiltelefons sammeln und auswerten. Am Ende sollen auf maschinelles Lernen ausgerichtete Algorithmen automatisch anhand der Geräusche die Krankheit feststellen können.

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Da es sich bei der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Covid-19 um eine Atemwegserkrankung handelt, sind die von den Betroffenen erzeugten Töne sehr spezifisch. "Nach Angaben von Ärzten ist eines der häufigsten Dinge, die sie bei Patienten mit dem Virus festgestellt haben, die Art und Weise, wie diese beim Sprechen nach Luft schnappen, sowie ein trockener Husten und die Intervalle ihrer Atemmuster", erklärt Cecilia Mascolo vom Cambridge Department of Computer Science and Technology. Die Professorin und ihr Team haben einen Zuschuss des Europäischen Forschungsrats in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro für die Entwicklung der App erhalten.

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"Es gibt nur sehr wenige große Datensätze von Atemgeräuschen", weiß Mascolo. Sie bittet daher um Datenspenden. "Wir brauchen für bessere Algorithmen, die zur Früherkennung eingesetzt werden könnten, so viele Proben von so vielen Teilnehmern wie möglich." Selbst wenn nicht lauter Corona-Fälle darunter seien, hälfen die Messwerte eventuell auch, Verbindungen zu anderen Beschwerden zu entdecken. Das Forschungsziel des im Oktober 2019 gestarteten und bis 2024 laufenden Projekts bezieht sich allgemein auf die Diagnose von Atemwegserkrankungen.

Nutzer der Covid-19 Sounds App bitten die Forscher, ihnen auch demografische und medizinische Informationen zur Verfügung zu stellen. Die Anwendung führt auch einmal eine grobe Ortung durch, wenn Anwender Standortdaten generell freigegeben haben. Die Informationen sollen nur auf Servern der Universität Cambridge gespeichert und ausschließlich zu Forschungszwecken verwendet werden. Medizinische Ratschläge werden Nutzer über die App nicht erhalten können.

Der weitere Fahrplan sieht vor, dass das Entwicklungsteam zunächst eine erste Analyse der gesammelten Informationen durchführt und den Datensatz dann auch für andere Forscher freigibt. Dies soll dazu beitragen, den Krankheitsverlauf und mögliche Komplikationen etwa anhand der Patientenakte und Vorerkrankungen insgesamt besser zu verstehen. "Es gibt noch so viel, was wir über dieses Virus und die von ihm verursachte Krankheit nicht wissen", führt Mascolo aus. "In einer Pandemie-Situation wie der aktuellen ist es hilfreich, so viele zuverlässige Informationen wie möglich zu bekommen."

Die App ist momentan für Android-Handys im Google Play Store verfügbar, eine Version für iOS soll in Kürze zusammen mit mehreren weiteren unterstützten Sprachen folgen. Die Ethikkommission der Fakultät für Informatik und Technologie der Universität hat die Studie genehmigt.

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(mho)