Corona-Kontaktverfolgung: Dezentrale Technik DP3T soll am 11. Mai kommen

DP3T, die dezentrale Schweizer Alternative zum Projekt PEPP-PT soll in wenigen Wochen veröffentlicht werden. Der Fokus liege auf Datenschutz.

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(Bild: carballo/Shutterstock.com)

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Das in der Schweiz von den Eidgenössischen Technischen Hochschulen Lausanne (EPFL) und Zürich (ETHZ) entwickelte System DP3T für die Kontaktverfolgung gegen das Coronavirus soll am 11. Mai veröffentlicht werden. DP3T steht für Decentralized Privacy-Preserving Proximity Tracing und war in den vergangenen Tagen quasi als Gegenentwurf zum Projekt PEPP-PT bekannt geworden. Beteiligt daran ist ein internationales Wissenschaftler-Konsortium sowie das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Pascal Strupler, der Direktor des BAG erklärte nun, die Technik werde "auf dem DP3T-Konzept der EPFL basieren und die neuen Google und Apple Contact-Tracing-APIs nutzen, sobald diese verfügbar sind". Damit hätten sich die Schweizer Gesundheitsbehörden klar auf einen "dezentralen" Ansatz bei der Entwicklung einer Contact-Tracing-App zur Bekämpfung von Covid-19 festgelegt, twitterte Marcel Salathé. Der Professor für Digitale Epidemiologie an der EPFL hatte sich zuvor mit diversen Kollegen aus dem Entwicklungsprojekt PEPP-PT zurückgezogen. Kritisiert wurde vor allem mangelnde Transparenz und die Konzentration auf einen zentralisierten Ansatz.

Angesichts des Gerangels unter europäischen Wissenschaftlern versichern die Schweizer Forscher und Behörden nun, an DP3T mit seinem "dezentralen Ansatz" und damit an einem Rahmenwerk mit "Privacy-by-Design" festhalten zu wollen. Ziel beider Techniken ist es, mithilfe von Smartphones Infektionsketten zu durchbrechen und Nutzer rasch zu warnen, wenn sie einem Infizierten nahe gekommen sind. Der BAG-Chef betonte noch: "Es gibt die gemeinsame Betrachtungsweise des Nationalen Zentrums für Cybersicherheit, des EDÖB und der Zentralen Ethikkommission, dass ein dezentraler Ansatz den Schweizer Bedürfnissen an maximalem Schutz der Privatsphäre am besten entspricht."

Eine Task Force des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) wurde demnach in die Umsetzungsarbeiten der Bundesverwaltung für die App einbezogen. Der EDÖB prüft nach eigenen Angaben derzeit datenschutzrechtliche Aspekte der Systemarchitektur, die auf Entwicklungen des EPFL-Konzepts basiert. Die Umsetzung erfolge unabhängig von den Entwicklungen im Rahmen des europäischen Projekts PEPP-PT, betont der EDÖB.

Seit Tagen bereits testet derweil bereits die Schweizer Armee eine DP3T-App. Inzwischen haben sich auch andere europäische Länder für eine Lösung auf Basis von DP3T ausgesprochen. Neben Interessensbekundungen aus den Niederlanden hat sich Medienberichten zufolge Österreich für den dezentralen Ansatz entschieden. Das DP3T-Projekt ist Teil der Schweizer Nationalen Covid-19 Science Task Force, einem wissenschaftlichen Beratungsgremium für den Kampf gegen die Pandemie. Die endgültige Version von DP3T ist noch in der Entwicklung, aber ein Open-Source-Protokoll ist bereits auf GitHub verfügbar. (mho)