Corona-Vorsorge: Saarbrücker Supermarkt misst Körpertemperatur der Kunden

Ein Edeka-Geschäft hat am Eingang eine "Fieber-Screening-Kamera" installiert, um an Covid-19 Erkrankte auszusortieren. Datenschützer zeigen sich alarmiert.

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(Bild: creativeneko / Shutterstock.com)

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Ein Edeka-Markt in Saarbrücken überprüft in Zeiten der Corona-Pandemie bei allen Einkaufswilligen im Eingangsbereich, ob sie Fieber haben. "Einlass wird nur einzeln und nach Aufforderung eines Mitarbeiters gewährt, der den Kunden Hände und Einkaufswagen desinfiziert", schreibt das Luxemburger Online-Portal L'essentiel. Auf einem Monitor werde dem Türsteher neben dem Gesicht jedes Passierenden dessen Temperatur angezeigt. Sei sie erhöht, werde ein Alarm ausgelöst.

Der Betroffene wird dem Bericht nach dann gebeten, das ausgemachte Fieber zu erklären. Könne er keinen nachvollziehbaren Grund dafür angeben, werde er aufgefordert, das Geschäft zu verlassen. Zum Einsatz komme eine Wärmebildkamera der Saarbrücker Firma Matec Sicherheitssysteme, die in dem Laden bereits Anfang April installiert worden sei.

"Unser System gibt den Mitarbeitern und Kunden ein Gefühl der Sicherheit", erklärte ein Mitglied der Matec-Geschäftsfleitung gegenüber dem Magazin. Dass nach bisherigen Erkenntnissen rund 60 Prozent der Personen, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben, kein Fieber entwickeln und so durchs maschinelle Raster fallen, müsse man in Kauf nehmen: "Besser ein paar rausfischen, als niemanden." Das System sei zudem komplett mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vereinbar, da in der Regel keine persönlichen Daten gespeichert und diese nur kurzfristig auf dem Monitor ablesbar seien.

Marco Schömer, Mitarbeiter der saarländischen Datenschutzbeauftragten, sieht die Sache anders als der Kamerahersteller. Ziel der Technik sei es gerade, eine Person zu identifizieren, erläuterte er auf Nachfrage von L'essentiel. Er könne sich nach einer ersten Bewertung kein Szenario vorstellen, das einen datenschutzkonformen Betrieb dieser Anlage durch einen Einzelhändler erlauben würde. Während sich Lonsdorfer dem Bericht zufolge zunächst nicht zu dem Vorgang öffentlich äußerte, hat die Datenschutzbehörde inzwischen ein Prüfverfahren eingeleitet.

[Update 17.04.2020 – 10:20 Uhr] Inzwischen wurde die Kamera aufgrund der datenschutzrechtlichen Bedenken abgebaut, berichtet L'essentiel. (mho)