Coronavirus: Bill Gates will für Impfstoff sieben Fabriken vorfinanzieren

Die Gates Foundation wird trotz Milliardenkosten für sieben der erfolgversprechendsten Corona-Impfansätze Produktionsstätten finanzieren.

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(Bild: dpa, Christian Böhmer/dpa)

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Staaten sind kurzfristig nicht gut gerüstet, die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus entschieden voranzutreiben, meint Bill Gates. "Regierungen werden mit der Zeit sehr viel Geld für solche Sachen freigeben", erklärte der Co-Vorsitzende der Bill und Melinda Gates Stiftung am Freitag auch in Bezug auf erhöhte Test-Kapazitäten. "Aber sie wissen nicht, wo sie es hinstecken sollen und sie können nicht so schnell agieren." Die Gates Foundation habe da eine ganz andere Expertise und bereits seit Langem Planspiele über mögliche Pandemien durchgeführt. Diese schlössen Bemühungen ein, einen Impfstoff zu finden.

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"Mit frühen Geldflüssen können wir die Entwicklung beschleunigen", zeigte sich der Microsoft-Gründer in einem auch auf Twitter verbreiteten Gespräch mit dem TV-Moderator Trevor Noah in dessen "Daily Show" zuversichtlich. Beispielsweise werde die Stiftung für alle sieben der erfolgversprechendsten Impfansätze Fabriken finanzieren, "auch wenn wir letztlich nur zwei davon auswählen". Dabei gehe es nur darum, keine Zeit zu verlieren, bis sich abschätzen lasse, welcher Impfstoff funktioniere.

Die eigentliche Herstellung des Serums werde dann zwar immer noch etwa 18 Monate benötigen, dämpfte Gates allzu große Erwartungen. Andernfalls sei aber mit deutlich längeren Spannen zu rechnen. Gates unterstrich: "Es werden zwar ein paar Milliarden Dollar sein, die wir für die Ansätze verschwenden, die das Rennen nicht machen, weil die anderen besser sind." In der gegenwärtigen, durch Lockdowns geprägten Corona-Krise gehe es aber um Verluste von Billiarden Dollar, sodass solche Anstrengungen gerechtfertigt seien.

Regierungsinitiativen würden erst nach einigen Monaten greifen, "während unsere Stiftung das Verfahren deutlich beschleunigen und die Produktion innerhalb einer Woche starten" könne, betonte der Unternehmer, der zu den reichsten Menschen der Welt gehört. Mehrere Monate könnten so gewonnen werden in Anbetracht der Tatsache, dass "jeder einzelne davon zählt": Viele Einrichtungen, Geschäfte oder Betriebe könnten wieder geöffnet werden, "wenn wir die richtigen Dinge tun".

Eine baldige komplette Rückkehr der "Normalität" verspricht Gates erst einmal nicht, da viele Leute noch sehr besorgt seien und sich etwa dazu entschlössen, vorsichtshalber weiter Masken zu tragen. "Wir werden eine Vielzahl an ungewöhnlichen Maßnahmen haben, bis wir die Welt geimpft bekommen." Bei sieben Milliarden Menschen sei die Latte hoch gelegt, an diesem Ziel führe aber kein Weg vorbei, um den Schaden zu minimieren.

Die Gates Foundation hat nach eigenen Angaben bereits 105 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die Sars-Cov-2-Pandemie bereitgestellt. Sie gehört auch – neben SAP-Mitgründer Dietmar Hopp – zu den Wagniskapitalgebern des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac, auf das angeblich auch US-Präsident Donald Trump ein Auge geworfen haben soll. Die Firma hat sich laut dem Konfliktforscher Christoph Marischka bereits bei anderen Epidemien als Impfstoff-Entwickler ins Spiel gebracht, bislang aber kein marktfähiges Produkt geliefert.

Der ehemalige Microsoft-Chef sieht in Pandemien schon seit Längerem ein höheres Risiko für die Menschheit als im Klimawandel und in militärischen Bedrohungen. Die Gates Foundation gehört auch zu den größten Unterstützern der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das eingebrachte Geld stammt vor allem aus Aktienanlagen auch in Konzerne, die Fast Food oder alkoholische Getränke herstellen und deren Produkte so nicht gerade für einen gesunden Lebenswandel stehen. (mho)