Coronavirus: NASA fährt Betrieb herunter; 2020 kein Foto eines Schwarzen Lochs

Die Coronavirus-Pandemie hat auch in der Raumfahrt und der Astronomie für teilweise erhebliche Konsequenzen.

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(Bild: creativeneko / Shutterstock.com)

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Die globalen Anstrengungen zur Eindämmung des Coronavirus SARS-CoV-2 haben auch auf die Raumfahrt und die Astronomie teilweise erhebliche Auswirkungen. So wurden die Arbeiten am geplanten
James-Webb-Weltraumteleskop der NASA zurückgefahren, was den Start weiter hinausschieben dürfte. Außerdem fällt die diesjährige Beobachtungskampagne des Event Horizon Telescopes (EHT) aus, die neuerliche Abbildung eines Schwarzen Lochs kann erst 2021 versucht werden. Im Raumfahrtunternehmen SpaceX gibt es die ersten COVID-19-Erkrankungen und das Unternehmen Bigelow Aerospace hat sogar alle Mitarbeiter entlassen.

Nachdem die NASA bereits vor einigen Tagen alle Mitarbeiter aufgefordert hat, aus dem Homeoffice zu arbeiten, hat die US-Weltraumagentur nun ermittelt, welche Arbeiten absolut notwendig sind. Dazu gehören demnach die Vorbereitungen Missionen Mars 2020 des kürzlich auf Perseverance getauften Rover. Das Mondlandeprogramm Artemis wird derweil nur teilweise fortgeführt, unter anderem um den ersten Start vorzubereiten.

Fortgeführt werden auch alle Tätigkeiten, die mit dem Betrieb der Internationalen Raumstation ISS zusammenhängen, der Ausbildung von Astronauten und künftigen bemannten Raumflügen. Anders sieht es dagegen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop: Die Unterbrechung der Arbeiten daran dürften den derzeit für März 2021 geplanten Start weiter verzögern, berichtet Spaceflight Now.

Inzwischen gilt außerdem für die Hälfte der Standorte der NASA Stufe 4 des vierstufigen "Response Frameworks". Die betroffenen Einrichtungen sind deswegen geschlossen, außer es geht darum, Menschen und kritische Infrastruktur zu schützen. Meetings müssen virtuell abgehalten werden und alle Reisen sind ausgesetzt.

Ganz abgesagt und auf das kommende Jahr verschoben wurde derweil die für März und April geplante zweite Messkampagne des Event Horizon Telescopes (EHT). Nachdem durch die Zusammenschaltung von Teleskopen auf dem ganzen Globus das erste Foto eines Schwarzen Lochs gelungen war, sollte in diesem Jahr das Zentrum der Milchstraße ins Visier genommen werden. Daraus wird nun vorläufig nichts, denn einige beteiligte Observatorien wurden geschlossen, wie die Verantwortlichen des Projekts mitteilen. Nachdem die Messkampagne 2019 wegen Sicherheitsbedenken rund um das Large Millimeter Telescope in Mexiko abgesagt werden musste, sei es herzzerreißend, dass das nun erneut nötig sei, schreiben sie.

Drastische Konsequenzen hat die Coronavirus-Pandemie für die Mitarbeiter des US-Raumfahrtunternehmens Bigelow Aerospace, denn ihnen allen wurde gekündigt. Betroffen sind insgesamt 88 Mitarbeiter, berichtet Space News. Die Entlassungen sind demnach Folge eines Dekrets des Gouverneurs von Nevada, der alle "nicht essenziellen" Betriebe zur Schließung verdonnerte, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Ein Unternehmenssprecher erklärte demnach aber noch, dass die Mitarbeiter wieder eingestellt werden sollen, wenn die Notfallverordnung aufgehoben würden. Bigelow arbeitet an Modulen für Raumstationen und schickte 2016 eine aufblasbare Erweiterung zur ISS.

Anders als Bigelow Aerospace in Nevada konnte SpaceX in Kalifornien den Betrieb aufrechterhalten, weil das Unternehmen dort als essenziell gilt. In der Raketenfabrik in Hawthorne wurden aber nun die ersten zwei Mitarbeiter positiv auf COVID-19 getestet, berichtet die Los Angeles Times. Daraufhin seien weitere Mitarbeiter nach Hause geschickt worden, um sich in häusliche Quarantäne zu begeben. Derweil gab es bei einem Test der Raumkapsel für bemannte Flüge ein Problem, berichtet Reuters. SpaceX-Chef Elon Musk hatte zuvor per Twitter angekündigt, sich um die Herstellung von Beatmungsgeräten kümmern zu wollen, die für die Behandlung von Patienten nötig sind, bei denen die Erkrankung mit COVID-19 schwer verläuft.

[Update 25.03.2020 – 21:40 Uhr] Elon Musk will Beatmungsgeräte herstellen. Die falsche Übersetzung wurde berichtigt. (mho)