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Cortex-A72: ARMs zweite 64-Bit-Generation

Knapp einen Monat vor dem Mobile World Congress hat die CPU-Schmiede ARM erste Details zum Prozessorkern Cortex-A72 und der Grafikeinheit Mali-T880 verraten.

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Heute vorgestellt in zwei Jahren im Smartphone: Auch beim neuen 64-Bit-Prozessorkern Cortex-A72 wird es eine ganze Weile dauern, bis Endkunden von der versprochenen Performance und Effizienz profitieren.

Der Cortex-A72 tritt die Nachfolge des Cortex-A57 an.

Höhere Performance bei niedrigerer Leistungsaufnahme: Nicht weniger verspricht ARM mit dem neuen 64-Bit-Prozessorkern Cortex-A72 und seinem Grafikpartner Mali-T880 – geizt aber mit technischen Details. Vermutlich wird es den Cortex-A72 mit ein bis vier Kernen geben, die Taktfrequenz soll bis zu 2,5 GHz betragen. ARM vergleicht den A72 nicht direkt mit seinen Vorgängern, den 64-Bit-Prozessorkernen Cortex-A53 und -A57, sondern mit dem noch 32-bittigen Cortex-A15, der in vielen aktuellen High-End-Smartphones und -Tablets steckt. Gegenüber dem A15 soll der neue Kern 3,5-mal so schnell sein, aber nur ein Viertel der elektrischen Leistung aufnehmen.

Das hört sich erst einmal toll an, ist aber interpretationsbedürftig:

  • Erstens vergehen zwischen der Vorstellung neuer ARM Kerne und deren Marktdebüt in Geräten einige Jahre. Der Cortex-A15 hat mittlerweile vier davon auf dem Buckel und wird noch mit 28-nm-Strukturen hergestellt. Chips mit Cortex-A72 sollen laut ARM erst 2016 auf den Markt kommen, dann mit 16-nm-Strukturen und FinFET-Technik von TSMC. Laut ARM halbiert alleine das Processor Optimization Package (PoP) für den 16-nm-Prozess den Energiebedarf verglichen mit einem 28-nm-Prozess.
  • Zweitens betrachtet ARM die "Sustained Performance" in dem nicht näher bezifferten Power-Budget eines Smartphones. Das ist zwar durchaus praxisrelevant, lässt den für sein hitziges Temperament berüchtigten Cortex-A15 aber besonders schlecht da stehen. Dem würde ein Vergleich der Spitzenperformance viel besser liegen.

Über den Grafikkern Mali-T880 verrät ARM noch fast nichts.

Einen mit 20-nm-Strukturen gefertigten Cortex-A57 sieht ARM übrigens sowohl in puncto Performance als auch Effizienz in etwa zwischen Cortex-A15 und -A72. Der Cortex-A57, der wie auch der -A72 bereits den 64-Bit-Befehlssatz ARMv8 nutzt, dürfte übrigens der Star des MWC werden. Laut Qualcomm setzen Hersteller auf den Snapdragon 810, in dem wiederum Cortex-A57 und -A53 Hand-in-Hand arbeiten – 60 Neuvorstellungen sollen es in den nächsten Monaten werden. Samsung allerdings hatte wegen Problemen mit der Hitzeentwicklung den Snapdragon 810 für sein nächstes Spitzen-Smartphone verworfen.

Apropos Cortex-A53: Dieser einst als Juniorpartner für den -A57 entworfene Kern soll auch dem Cortex-A72 als Stromsparer zur Seite stehen. Hätte ein solches Big-Little-Gespann dann wenig zu tun, könnte die Leistungsaufnahme noch einmal um 40 bis 60 Prozent fallen.

Das neue Bussystem soll auch für Videos mit mehr als 4K-Auflösung schnell genug sein.

Noch dürftiger sind die Angaben zur neuen Grafikeinheit Mali-T880. Die soll per "TrustZone Secure Video Path" 4K-Kinofilme vor Raubkopien schützen, 1,8-mal schneller und dabei 40 Prozent sparsamer sein als ARMs erste Mali-Grafikkerne für 64-Bit-Smartphones und Tablets namens Mali-T760. Den Vergleich zur neueren Mali-T800-Serie scheut ARM (noch).

Ebenfalls überarbeitet hat ARM das Rückgrat der Systems-on-Chip. CoreLink CCI-500 liefert die doppelte Bandbreite als CCI-400 und ist damit fit für Video-Auflösungen jenseits der 4K. Die Speicherperformance soll um 30 Prozent gestiegen sein. Unverändert bleiben unterdessen die Video- und Bildbeschleuniger Mali-V550 und Mali-DP550.

Cortex-A72 (3 Bilder)

Cortex-A72

Vermutlich wird es SoCs mit ein bis vier Cortex-A72-Kernen geben. Als Juniorpartner ist der weiterhin der Cortex-A53 gebucht.

(bbe)