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Cory Doctorow: "Cyber-Angreifer sind wie Krankheitserreger"

Für den kanadischen Autor Cory Doctorow ist Computersicherheit eine Frage der öffentlichen Gesundheit. Und um die ist es nicht gut bestellt, solange Regierungen Sicherheitslücken lieber ausnutzen, als für mehr Sicherheit zu sorgen.

Der kanadische Autor Cory Doctorow macht sich keine Illusionen über den Zustand des Datenschutzes auf dieser digitalisierten Welt. "Computersicherheit ist kein Problem für Ingenieure, sie ist eine Frage der öffentlichen Gesundheit", sagte der 42-Jährige am Donnerstag in Berlin auf einer Veranstaltung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), die ein Fragezeichen hinter die "smarte neue Verbraucherwelt" setzt. Doctorow schlug dabei einen Bogen von frühen Verfehlungen der Gesetzgeber, die uns im Zeitalter der vollständigen Digitalisierung auf die Füße fallen, zu den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden.

Cory Doctorow plädiert für eine neue Perspektive auf das Thema Computersicherheit.

(Bild: heise online/vbr)

"Im vergangenen Frühjahr ist Edward Snowden aus der Kälte gekommen", sagt Doctorow. "Dank ihm wissen wir, dass alles noch viel schlimmer ist." Viel schlimmer, weil es nicht mehr nur um ein paar Switches bei Telefonfirmen geht, in die eine Regierung eine Backdoor einbauen lässt. "Die Welt hat sich verändert", erläutert Doctorow. "Nahezu alles, was wir heute machen, hat mit einem Computer in einem Netzwerk zu tun." Wenn wir später ein Hörgerät brauchen, werde das kein "hautfarbenes, analoges Hipster-Gerät" sein, sondern ein Computer.

"Dieser Computer kann sie Dinge hören machen, die es nicht gibt, oder sie existierende Töne nicht hören lassen", verdeutlicht Doctorow seine These, dass die Sicherheit von Computersystemen eine existenzielle Grundlage moderner Gesellschaften ist. Der Autor vergleicht den Angriff auf einen Computer mit einem Pathogen. "Wir greifen die Gesundheit der ganzen Gesellschaft an."

Das Problem besteht für Doctorow darin, dass die Regierungen sich lieber mit der Ausbeutung von Sicherheitslücken beschäftigen, als Abhilfe zu schaffen. "Eine der schockierendsten Enthüllungen von Snowden war die, dass NSA und GCHQ jährlich eine Viertelmilliarde ausgeben, um die Sicherheit unserer Geräte zu sabotieren", sagte Doctorow. "Wenn eine Regierung lieber ein waffenfähiges Virus entwickelt als einen Impfstoff, dann brauchen wir eine neue Regierung."

Doctorow appelliert an die Verbraucherschützer, bei den Regierungen für einen Kulturwechsel zu werben. "Alles andere wird uns wirklich in Gefahr bringen", meint der Autor. "Es ist nicht gut, wenn Regierungen auf den Bundestrojaner und seine Nachkommen setzen." Solchermaßen "fürchterliche Politik" müsse geändert werden. Denn heute sei nur eines gewiss: "Die Spione können Ihre E-Mails lesen." (vbr)

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