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Technology Review

Countdown für Weltuntergangs-Propheten

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Der weltweit größte Teilchenbeschleuniger, der Large Hadron Collider am Kernforschungszentrum CERN, wird voraussichtlich am 10. September an den Start gehen, das gaben die Wissenschaftler gestern bekannt. Der Start des LHC-Experimentes hatte sich nach baulichen Problemen immer wieder verzögert – ursprünglich sollte es bereits 2007 beginnen.

In dem rund 27 Kilometer langen unterirdischen Beschleuniger-Ring, der mit supraleitenden Magneten bestückt ist, werden gegenläufig rotierende Protonenstrahlen mit einer Energie von etwa 7 Teraelektronenvolt aufeinandertreffen. Das Experiment soll dabei helfen, das so genannte Standardmodell der Teilchenphysik, das den innersten Aufbau der Materie beschreibt, zu bestätigen oder zu erweitern. Das Modell ist unvollständig, weil es von einem masseerzeugenden Mechanismus ausgeht, der in Versuchen noch nicht abgesichert werden konnte. Deshalb ist eines der Hauptziele des LHC, die Existenz dieses sogenannten Higgs-Feldes zu beweisen – oder aber einen alternativen Mechanismus aufzudecken.

"Eine solche Maschine startet man nicht einfach, indem man einen Schalter umlegt", schreiben die Forscher in ihrer Pressemitteilung: Allein die Kühlung der 1746 supraleitenden Magnete mit flüssigem Helium auf 1,9 Kelvin hat bis Ende Juli gedauert. Die nächste Phase besteht nach Auskunft des CERN in der Synchronisation des Protonensynchrotons, das die Teilchen sozusagen vorbeschleunigen soll, mit dem LHC.

Kritiker hatten zu bedenken gegeben, dass sich bei den Kollisionen mikroskopisch kleine schwarze Löcher bilden könnten, die immer weiter anwachsen, und so schließlich die Erde verschlingen. Der US-Physiker Walter Wagner und sein spanischer Kollege Lois Sancho hatten sogar eine Klage gegen die Inbetriebnahme des LHC eingereicht – allerdings "aus Kostengründen" nur beim Federal District Court in Honululu. Das CERN hatte solche Befürchtungen jedoch immer wieder als unbegründet zurückgewiesen.

Siehe dazu auch:

(wst)

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