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Countdown für den biometrischen Reisepass

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An Allerheiligen kommt der biometrische Reisepass. Das bedeutet, dass der alte maschinenlesbare Reisepass ohne biometrische Merkmale am heutigen Montag zum letzten Male beantragt werden kann. Mit dem biometrischen Reisepass übernimmt die Bundesrepublik Deutschland eine Vorreiterrolle innerhalb der Europäischen Union.

In der ersten Version enthält der biometrische Reisepass ein Bild des Ausweisinhabers, das auf einem Chip gespeichert ist. Dieser Chip wird per Funk kontaktiert und schickt die auf ihm gespeicherten Daten, das Gesichtsbild und eine digitale Signatur, nur dann zurück, wenn der Zugriffsschlüssel bei der Abfrage stimmt. Dieser Schlüssel wird aus dem maschinenlesbaren Teil des Reisepasses gewonnen, der 1987 eingeführt wurde. Im Jahre 2007 oder später soll zum Gesichtsbild der Fingerabdruck kommen. In dieser zweiten Version erfordert der biometrische Reisepass den Aufbau einer komplexen Infrastruktur, weil beim Fingerabdruck online überprüft werden soll, ob die begleitende digitale Signatur gültig ist.

Die Chiptechnik treibt die Kosten für die Erstellung des Reisepasses von derzeit 26 Euro auf 59 Euro. Damit ist der deutsche Reisepass fast schon ein Schnäppchen: In den USA soll der entsprechende Pass 75 Euro kosten, in Großbritannien 103 Euro und in der Schweiz sogar 150 Euro. Im Alpenland ist der Pass jedoch eine freiwillige Sache. Wer den Aufwand und den Preis scheut, kann den normalen Reisepass bestellen. Der in der Schweiz und Großbritannien getriebene Aufwand, ein Foto für den neuen Pass in einem speziellen biometrischen Erfassungscenter herstellen zu lassen, entfällt in Deutschland. Hier muss das Foto nur der genormten Fotomustertafel entsprechen, die die Bundesdruckerei veröffentlicht hat. Diese private Firma ist mit der Ausgabe des neuen Reisepasses beauftragt und liefert auch die Programme "Digant", "TempID" und "e-IDinfo", mit denen der neue Pass beantragt und der Stand seiner Produktion überprüft werden kann.

Ob die biometrische Technik überhaupt Vorteile besitzt, ist umstritten. Eine hohe Rückweisungsquote in den am Frankfurter Flughafen durchgeführten Testläufen lässt befürchten, dass der Pass zunächst die Abfertigung verzögert, anstatt sie zu vereinfachen. Im Gutachten zu diesem Problem hat das Bundesamt für Sicherheit (BSI) die Hoffnung geäußert, dass sich die Ausweisinhaber im Alltag an die Biometrie gewöhnen und mit der zunehmenden Nutzung biometrischer Systeme lernen, sich vor den Prüfgeräten richtig zu verhalten.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bekräftigte der Bundesdatenschützer Peter Schaar heute noch einmal seine Kritik am neuen Pass. Durch die Speicherung des Gesichtsbildes gebe es kaum einen Zugewinn an Sicherheit, betonte Schaar auf die Frage, was die digitale Speicherung des Gesichtsbildes bringe: "Außer hohen Kosten wohl nicht sehr viel. Zunächst werden die Deutschen und dann alle Europäer zwar mit biometrischen Merkmalen im Pass ausgestattet, im Moment gibt es jedoch keine Lesegeräte dafür. Die werden erst allmählich installiert. Die EU und das Bundesinnenministerium haben sich nach dem 11. September sehr schnell auf biometrische Merkmale im Pass festgelegt, obwohl fast alle Terroristen von New York mit ihren echten Papieren gereist sind." (Detlef Borchers) / (jk)