Creative Commons: Politische Verbündete für alternative Lizenzen gesucht

Ziel der Creative-Commons-Lizenz ist es, einen weltweiten Pool an Werken zu schaffen, die komplett, in Teilen oder speziell für nicht-kommerzielle Zwecke zum freien Download und zum Remixen zur Verfügung stehen.

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Von
  • Monika Ermert

Die alternativen Lizenzen, die Kreative für ihre Werke einsetzen können, sind da, aber sie müssen auch genutzt werden: Beim Treffen der Creative-Commons-Macher aus Österreich, den Niederlanden und Deutschland am vergangenen Wochenende im newthinking store in Berlin stand zur Debatte, ob ein Verein der Commons-Idee in der Praxis aufhelfen könnte. Bis zum ersten Europa-Treffen der Creative-Commons-Projekte in Europa am 17. und 18. März in Amsterdam soll Europas Commons-Gemeinde in einem eigenen Wiki gemeinsam diskutieren, wie so ein Verein aussehen könnte.

Die Creative-Commons-Lizenz sieht vor, dass die Kreativen ihre Werke selbst mit den Freiheiten markieren, die sie den Nutzern bieten sollen. Ziel ist es, einen gigantischen, weltweiten Pool an Werken zu schaffen, die komplett, in Teilen oder speziell für nicht-kommerzielle Zwecke zum freien Download und zum Remixen zur Verfügung stehen. Dahinter steht ein Dreischichten-Modell: Es besteht aus einer allgemeinverständlichen Darstellung der Lizenz, einer für Anwälte gedachten langen Erläuterung sowie einer maschinenlesbaren Version. Über diesen Ansatz soll es möglich sein, den Austausch von Rechten an Inhalten in verschiedenen Projekten ohne Anwälte automatisch abzuwickeln.

Nach der Anpassung an nationales Recht -- in Österreich, Deutschland und den Niederlanden abgeschlossen, in der Schweiz auf dem Weg -- , müssen die alternativen Lizenzen bekannt gemacht werden. Bislang beschränkt sich der Einsatz der Lizenzen noch auf wenige Inseln. In Österreich, so berichtete der dortige Projektleiter Georg Pleger, hat das Kompetenz-Netzwerk Mediengestaltung der Fachhochschulen die Commons-Lizenz eingeführt. An der Fachhochschule Vorarlberg, die von Anfang an zur Creative-Commons-Projektgruppe gehörte, hat man die Lizenzen bereits in den Lehrplan aufgenommen. Auch Österreichs Lehrerinnen und Lehrer, die Schulmaterialien über den Tiroler Bildungsserver veröffentlichen, tun dies künftig unter Creative-Commons-Lizenz.

Die Befürchtung, dass das alternative Lizenzmodell nur eine gute Idee bleibt, teilt Pleger nicht: "Es geht einfach um die Geschwindigkeit, mit der das Konzept aufgegriffen wird, und ein zentraler Punkt dabei ist, ob bekannte Institutionen oder Personen die Creative-Commons-Lizenzen öffentlichkeitswirksam verwenden." In Österreich hat man das Creative-Commons-Modell über den Beirat Informationsgesellschaft immerhin schon auf der politischen Bühne präsentiert und sich bereits Gedanken über eine Vereinsgründung gemacht. "Wir werden auf jeden Fall versuchen, öffentliche Gelder zu bekommen", sagt Pleger.

Etwas Ähnliches schwebt auch den Juristen am Zentrum für Angewandte Rechtswissenschaft (ZAR) in Karlsruhe vor, wo die deutsche Creative-Commons-Version in Zusammenarbeit mit dem Ifross entstanden ist. "Gerade vor dem Hintergrund der geäußerten Kritik an der Urheberrechtsnovelle wollen wir im Bundesforschungsministerium anklopfen und fragen, ob dort nicht die Creative Commons als unterstützenswerte Initiative betrachtet wird", sagte Ellen Euler vom ZAR. Eine weitere Verbreitung der Lizenzen könne von einer Arbeitsteilung zwischen Juristen, Technikern und einem "Public Project Lead", einer Art Schnittstelle und zentraler Ansprechpartner für die Creative Commons, profitieren. In Deutschland haben als erste die Bundeszentrale für politische Bildung, die Böll-Stiftung, der Chaos Computerclub und die Grünen die Idee der alternativen Lizenzen aufgegriffen. Telepolis hatte zwei Bücher unter der Creative-Commons-Lizenz freigegeben.

"Andere Länder sind weiter als wir", sagte Pleger mit Blick auf Großbritannien und die Niederlande. In Großbritannien entschied jüngst das Komitee für Wissenschaft und Technologie des Parlaments, dass das Rechtemanagement an Universitäten und Bibliotheken reformiert werden muss, um den durch hohe Lizenzgebühren bedrohten Zugang für Wissenschaft und Lehre abzusichern. In den Niederlanden finanziert das Ministerium für Erziehung, Kultur und Wissenschaft bereits die zentrale Schnittstelle für die Creative Commons. Aus Plegers Sicht gilt es auch darauf hinzuwirken, dass bei der Umsetzung der Europäischen Richtlinie Public Sector Information Policy die Creative-Commons-Lizenzen als Standardlizenzmodell aufgegriffen werden: "Es wäre doch schlecht, wenn unterschiedliche und möglicherweise inkompatible Lizenzen eingeführt würden." (Monika Ermert) / (jk)