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Creative Commons zum Geburtstag: Science-Commons-Lizenz startet

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Zu ihrem zweiten Geburtstag macht sich die Creative-Commons-Gemeinde selbst ein Geschenk und startet offiziell ihr drittes Projekt: die Science Commons. Neben der klassischen alternativen Lizenz (Creative Commons) und der Adaption dieser Lizenz an Rechtssysteme in aller Welt (iCommons) bedeute dies die nächste "Erweiterung des Lizenzbaukastens" speziell für die Wissenschaft, sagt Ellen Euler vom Institut für Informationsrecht. Das Karlsruher Institut hatte zusammen mit dem Münchner Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software (ifrOSS) die Creative-Commons-Lizenz auf deutsche Verhältnisse angepasst.

Wissenschaftler warnen davor, dass sie aufgrund zunehmend komplexer und strenger Urheberrechtsbestimmungen die Möglichkeiten vernetzten Arbeitens und Forschens kaum noch nutzen können. Eigene Vertriebswege der Wissenschaftler angesichts der wenig forschungsfreundlichen Politik der großen Verlage empfahl kürzlich die deutsche Bundesjustizministerin, Brigitte Zypries. Genau in diese Lücke will das vom Stanford-Rechtsprofessor Lawrence Lessig gegründete Creative-Commons-Projekt stoßen.

Schon jetzt nutzen Initiativen wie die Public Library of Science (PloS) die Commons-Lizenzen für Texte in ihren Zeitschriften PLoS Biology oder PLoS Medicine. Allerdings gebe es gerade in der Wissenschaft eine Reihe weiterer Fragen zu klären, heißt es in der Vorstellung des Science-Commons-Projekts: Lizenzen für Zweitverwertungen, Vorabdrucke oder Nachdrucke, Lizenzen und Mechanismen für die persönlichen Archive der Wissenschaftler, rechtliche Implikationen von Open-Access-Modellen und die Verwendung maschinenlesbarer Lizenzen.

Es gehe bei der Initiative vor allem auch um umfangreiche Datensätze in der Wissenschaft, so Euler. "Bisher sind 'Rohdaten' weder nach US-Recht noch nach deutschem Recht urheberrechtsschutzfähig. Das Patentrecht entwickelt sich aber in diese Richtung." Mit den Science Commons soll wie auch in den Bereichen Text-, Film- und Musikproduktion die richtige Mitte gefunden werden zwischen der kompletten Freigabe der Rechte einerseits und dem Festhalten an allen Rechten andererseits. Projekte wie das das Semantic Web for Life Sciences des W3C und das MIT Dspace project in digital archiving sollen dazu dienen, die Forschung an Rohdaten besser zu vernetzen und damit effektiver zu machen. Beide Projekte liegen im Kernbereich der von den Science Commons geplanten Erkundungsarbeit, heißt es im Science-Commons-Plan.

Wie und wann die Science Commons in Deutschland an den Start gehen, darüber wollen Creative-Commons-Vertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am 20. Januar in Berlin diskutieren (PDF). Insgesamt seien die Reaktionen auf die alternativen Lizenzen positiv, so Euler. Neben der Heinrich-Böll-Stiftung interessiere sich auch die Bundeszentrale für politische Bildung für eine Umstellung auf das Modell. (Monika Ermert) / (anw)

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