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Critical Communications World: Tetra macht "Ping", LTE für den Blaulicht-Funk

Auf der Critical Communications World in Barcelona spielte der Funkstandard Tetra nur noch eine Nebenrolle. Geht es nach den Ausrüstern, versorgt LTE bei Polizei und Feuerwehr die Einsatzkräfte.

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Critical Communications World: Tetra macht "Ping"

LTE-Koffer von Athonet

(Bild: heise online, Detlef Borchers)

Was früher Tetra World Congress genannt wurde, ist heute die Critical Communications World (CCW). Die Vorträge wie die Begleitmesse der CCW in Barcelona zeigen zurzeit, das Tetra beim Blaulicht-Funk nur noch die Rolle eines Kontroll-Kanals im Zusammenspiel der verschiedenen Breitband-Netzwerke haben soll. Mit einer Ausnahme bedienen die Neuvorstellungen das Thema LTE im Einsatz bei den "Blaulicht-Funkern".

Auf einer Messe für Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte blinkt es ordentlich. Firmen wie Motorola, Teltronics, Hytera und Huawei stellen fette Einsatzwagen vor, die den kompletten Christbaum eingeschaltet haben. Auch im Innern der Wagen ist es hell. Bis zu vier Bildschirme informieren die Einsatzkräfte über die Lage vor Ort, zeigen Gebäudepläne, Videos und Anweisungen der Leitstelle.

LTE-Safetycar von Huawei, außen…

(Bild: heise online / Detlef Borchers)

Eine Ausnahme bildete das Fahrzeug von Huawei, das als fahrbarer LTE-Hub für weitere Einsatzkräfte gezeigt wurde. Das eLTE-Vehikel kann im Radius von fünf Kilometern 100 Einsatzkräfte beziehungsweise 20 Gruppen mit Breitbandfunk versorgen und für jede Rufgruppe einen Videokanal bereitstellen, wobei diese Videokanäle jeweils einer Drohnenkamera oder einer Bodycam zugeordnet werden können. In Projekten wie "sicheres Nanjing" anlässlich der Olympischen Jugendspiele 2014 wurde das neue Überwachungssystem erstmals auf Herz und Nieren geprüft. eLTE soll Städte wieder zu einem sicheren Ort machen, verkündete Huawei.

… und innen.

(Bild: heise online / Detlef Borchers)

Solche Produkte für ein Ad-Hoc-LTE, das per Satellit mit der Leitstelle verbunden wird, sind skalierbar. Das zeigte die italienische Athonet an ihrem Stand: In einem roten Köfferchen steckt ein Linux-Rechner mit LTE-Funk, der im Umfeld von einem Kilometer 64 Einsatzkräfte zwei Stunden lang versorgen kann. Die größere Version für 6 km Reichweite, die zusätzlich Tetra-Funk und WLAN bietet, ist ein halbhohes Rack, das in einem Wagen eingebaut wird.

Auf den Punkt brachte es Félix de la Fuente von der neuen Sepura-Tochter Teltronics, der den Tetra-Funk als "Kontrollkanal" für das Zusammenspiel verschiedener Netze definierte. Anders gesagt, sollte Tetra mit seiner Sprachübertragung noch dann funktionieren, wenn alle anderen Netze längst zusammengebrochen sind.

Motorola LEX L10

(Bild: Motorola)

Für solche Netze stellte Motorola sein Polizei-Smartphone LEX L10 vor, das nach den Vorstellungen der Sicherheitsspezialisten zusätzlich zum Tetra-Funkgerät getragen wird und den Streifenbeamten mit Lageplänen, Bilder und Hintergrund-Informationen versorgt. Im Notfall-Modus zeigt das Gerät, wo sich die Kollegen befinden. Am Körper, in den Halfter eingesteckt, nimmt es Kontakt zur Bodycam und zum Gürtel auf, der wiederum registriert, wenn eine Waffe gezogen wird.

Einen anderen Weg geht Sepura mit seinem SC 2020, einem robusten Outdoor-Gerät auf der Basis von embedded Linux, das neben Tetra via LTE funken kann. Ähnlich wie es Motorola mit seinem AppForum$ gemacht hat, will Sepura rund um die breitbandigen Geräte eine Entwicklergemeinschaft ansprechen und kündigte ein passendes SDK für künftige Apps an.

Neben der aufwändigen Entwicklung der Hardware, die auch in explosionsgefährdeten oder brennenden Umgebungen funktionieren muss, ist die Entwicklung der Basis-Software für Tetra oder TEDS (dem Tetra-Datenfunk) längst in einem Stadium angelangt, in dem nur noch Software Defined Radio (SDR) zum Einsatz kommt. Die Tetra-Ausnahme unter all den Neuvorstellungen des CCW kam von der spanischen Firma iSDR, die eine frühe SDR-Beta eines virtuellen Tetra-Gerätes auf der Basis eines Raspberry Pi2 zeigte: Wenn Tetra längst Geschichte ist, wird es als Software-Layer überleben.

Disclaimer: Die Reise des Autors zur Critical Communications World wurde von Motorola gesponsert. (anw)

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